Dienstag, 6. August 2019

Der Kinderflüsterer - Alex North


Der Kinderflüsterer
Roman
Blanvalet Verlag
Autor: Alex North
ISBN 978-3-7645-0710-7
444 Seiten


Inhalt und Personen


Als Rebecca plötzlich stirbt müssen ihr hinterbliebener Mann Tom und ihr kleiner Sohn Jake nicht nur den Verlust überwinden, sondern auch zueinander finden. Vater und Sohn sind sehr empfindsam und so fällt es beiden eher schwer, sich auf den anderen völlig einzulassen.
Mit einem Umzug in ein neues Zuhause wollen sie sich die Zukunft neu gestalten. Ein altes Haus in dem kleinen Ort Featherbank weckt Jakes Interesse und da es bezahlbar ist und es Jake gefällt, lässt Tom sich darauf ein.
Beide ahnen nicht, dass 20 Jahre zuvor in diesem Ort schon einmal kleine Jungs entführt und getötet wurden. Von einem fehlt bis heute jede Spur. Obwohl der Täter seinerzeit überführt wurde und noch einsitzt, ist jetzt wieder ein Junge verschwunden. Die Ermittlungen schließen auf einen Komplizen, denn die Umstände ähneln sehr den Taten von vor 20 Jahren.
Einem Ermittler ist bis heute daran gelegen den fünften Jungen von damals zu finden: DI Pete Willis.


Meine Meinung


Alex North ist mit Der Kinderflüsterer ein ganz besonderer Roman gelungen. Der Kinderflüsterer ist spannend und tiefgründig. Als Leser werde ich langsam an das Geschehen herangeführt. Featherbank - der Name des Ortes, in dem das Grauen vor 20 Jahren einzog - weckt einen eigentümlichen Nachhall. Ich fühle mich beim Lesen wie auf einem schmalen Grat in einer Geschichte von Stephen King.

Jake ist nicht der Erzähler, der in der Ich-Person agiert, für mich allerdings der Hauptcharakter. Ein ganz normaler Junge. Und doch verfügt er über eine scheinbar übernatürliche Gabe. Immer wieder unterhält er sich mit seiner imaginären Freundin. Einem Mädchen in seinem Alter, das ihm zur Seite steht. In Featherbank angekommen, ist die Stimme des Mädchens jedoch nicht mehr die einzige, die er hört. Vor seinem Fenster hört er ein Flüstern.

Die Vater-Sohn Beziehung hingegen ist von eher gewöhnlichen Problemen geprägt. So empfindet der Vater seine Bemühungen im Hinblick auf seinen Sohn als unzulänglich. Stets denkt er daran, wie einfach es für Rebecca als Mutter war, mit Jake zusammen zu sein. Und dann wieder wird ihm gegenwärtig, wie schwer es für ihn ist, seinen eigenen Sohn zu verstehen. Vor allem dann, wenn Jake schweigt.

Mit viel Feingefühl wird in Der Kinderflüsterer Spannung aufgebaut, die mich die Luft anhalten lässt. Entspannungsphasen zum Durchatmen erhalte ich durch die Perspektivwechsel der kurz getakteten Kapitel. Das eröffnet mir die Möglichkeit, das Geschehen von allen Seiten zu verfolgen.

In der Ich-Person erzählt Jakes Vater, Tom Kennedy, sehr eindrücklich von seinem Bestreben, Jake näher sein zu wollen. Ich erlebe den Verlust seiner Frau Rebecca und durch Rückblenden seine Kindheit. Das lässt Tom Kennedy zu einem vielschichtigen Charakter werden.

Über den Erzähler erfahre ich in den weiteren Kapiteln mehr über Jake, DI Pete, das Ermittlerteam und begleite den Täter. Zum Ende hin spitzen sich in allen Erzählsträngen die Ereignisse immer mehr zu und ich mag das Buch nicht mehr zur Seite legen. Beeindruckend und menschlich nachvollziehbar wird die Geschichte von allen Seiten erzählt, so dass sich die Handlungen echt anfühlen und noch Tage später präsent ist.

Der Erzählstil ist eingängig, daneben oft geprägt von Erklärungen und Aufzählungen, um das Geschehen zu verdeutlichen. Tatsächlich habe ich immer ein sehr genaues Bild vor Augen und dennoch genügend Raum für eigene Interpretationen. Das macht es mir sehr leicht, der Geschichte zu folgen.

Nervenaufreibend und nahezu unblutig erzählt Alex North die Geschichte vom Kinderflüsterer.


Fazit


Ein spannungsgeladener Roman, der mit viel Feingefühl für blankes Entsetzen sorgt.



Sonntag, 23. Juni 2019

Die Farbe von Milch - Nell Leyshon


Die Farbe von Milch
Roman
Verlag: Eisele
Autor: Nell Leyshon
208 Seiten
ISBN 978-3-961610006


Inhalt und Personen


Die Farbe von Milch ist die Geschichte der 15-jährigen Mary. Mary lebt mit ihren Eltern, ihren drei Schwestern und ihrem Großvater gemeinsam auf einem Bauernhof. Mary ist behindert - sie hat ein schlimmes Bein. Dennoch hilft sie - genau wie ihre Schwestern auch - den Hof zu bewirtschaften, bis der Vater eine gut bezahlte Stelle für Mary beim Dorfpfarrer annimmt. Mary wird gegen ihren Willen und ohne eigene Bezahlung zur Familie des Pfarrers gebracht um die Pfarrersfrau zu pflegen und im Haushalt zu helfen. Was ihr dabei widerfährt, hält sie in ihren eigenen Worten fest und lässt uns daran teilhaben.


Meine Meinung


Nell Leyshon lässt die Protagonistin, die15-jährige Mary, ihre Geschichte erzählen. In Marys eigenen Worten, geradeso, wie ihr "der Schnabel gewachsen ist". Das macht die Geschichte authentisch.
Während ich Marys Geschichte miterlebe, lache ich mit ihr, fluche ich mit ihr, leide ich mit ihr und tobe mit ihr gemeinsam über die Felder und Wiesen. Immer weiß Mary etwas zu berichten, dass mich mitnimmt und mich an ihren Gefühlen teilhaben lässt.

Dabei gefällt mir vor allen Dingen die Natürlichkeit, mit der die Geschichte erzählt wird.

Mary erzählt ihre Geschichte und wie ihr Leben sich im Jahr 1831 entwickelt mit einer unvergleichlichen Intensität. In der Einfachheit ihrer Sprache nimmt sie mich mit und zeigt, dass ein gebildeter Mensch nicht zwingend auch über Intelligenz verfügt.


Fazit


Dieses Buch ist für alle, die sich auch mit dem Ernst des Lebens gut unterhalten fühlen. Die Farbe von Milch regt zum Nachdenken an, über die Möglichkeiten, die einem gegeben sind und über die Möglichkeiten, die man nutzt.













Mittwoch, 19. Juni 2019

Lady Annes Geheimnis - Martha Sophie Marcus


Lady Annes Geheimnis
Historischer Roman
Bastei Lübbe
erschienen am 31. Mai 2019
Martha Sophie Marcus


Gleich zu Anfang der Geschichte wird klar, mit welchem Geheimnis Lady Anne Baynes tagtäglich umgehen muss. Ein Geheimnis, das ihr durch verschiedene Umstände vor allem aber Dank ihrer eigenen Familie aufgebürdet wird. Anne Baynes wird unverheiratet schwanger von einem Jakobiten, einem schottischen Anhänger des im Exil lebenden Jakob III, Ian Drummond.


Einst stand Annes Familie in den Diensten seines Vaters, Jakob II. Nach der Geburt ihres Sohnes Johnny wurde Anne Baynes von ihrem Kind getrennt und über Umwege schließlich an den Hof des Kurfürsten Georg Ludwig nach Hannover als Zofe verbannt. Einen solchen Makel, dass die Tochter von Sir Baynes von Madlock County, unehelich ein Kind empfing, konnte ihr Vater nicht hinnehmen. Und der hatte zu dieser Zeit das Sagen!




In Hannover empfängt Anne später die Nachricht, dass ihr geliebter Ian tot sei. Einzig die Hoffnung, ihren gemeinsamen Sohn wiederzusehen, hält Anne aufrecht und sie ist bemüht, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um wieder nach London zu gelangen, wo sich ihr Sohn in der Obhut fremder Menschen aufhalten soll. Als die Queen stirbt und der Kurfürst als King George den Thron Großbritanniens in Anspruch nehmen soll, beginnt sie die Suche nach ihrem Sohn. Gleichzeitig wird die Last des Geheimnisses immer größer und gefährlicher für Anne, denn der Vater ihres Kindes, Ian Drummond, steht als Jakobit nicht auf der Seite ihres Königs, dem sie - um mit nach London zu gelangen - die Treue geschworen hatte.


Meine Meinung


Eine spannend geschriebene Geschichte um eine fiktive und zudem ganz bezaubernde und liebenswerte Hauptfigur: Anne Baynes. Eingeflochten in die historischen Geschehnisse des Jahres 1714, als der Kurfürst von Hannover nach London reisen muss, um dort die Krone in Empfang zu nehmen.

In einer ruhigen Tonart, mit einfühlsamen Sätzen und zusätzlich einer überschaubaren Reihe an Worten, die der damaligen Zeit und der Gegend des Geschehens entliehen sind, wird der Leser auf die Reise von Hannover nach England und zurück ins 18. Jahrhundert mitgenommen. Die außergewöhnlichen Begriffe sind am Buchende in einem Glossar zusammengefasst und erleichtern das Verständnis beim Lesen. Ebenfalls am Ende des Buches befindet sich ein Namensregister, aus dem auch ersichtlich ist, ob es sich um reale oder fiktive Charaktere handelt. Beim Lesen der Geschichte wirken alle Charaktere sehr real, so dass auch hier ein Blick hilfreich, zugleich aber nicht notwendig ist. Zu gern hätte ich den einen oder anderen Charakter persönlich kennengelernt. Beim Lesen konnte ich eine Nähe vor allem zu Anne deutlich spüren. Anne macht es einem leicht, sie ins Herz zu schließen. Sie geht mit ihrem Herz und mit ihrem Verstand an die Lösung heran. Auch wenn mit ihr manchmal ihr Temperament durchgeht, dass sie oftmals gut im Zaum halten muss.

Verdeutlicht vor Augen geführt wird mir stellenweise auch die jeweilige Handlungsfreiheit der Charaktere. So gibt es Charaktere, die nach ihrem eigenen Ermessen handeln dürfen und welche, die agieren, wie man es von ihnen erwartet. Und doch tritt am Ende die Person selbst hervor, so dass Eigenheiten, die zuvor nicht schlüssig erschienen, dann wieder Sinn machen.

Eine Geschichte, die ich gern in eins durchgelesen hätte, für die ich mir dann doch Zeit gelassen habe, um das Geschehen angemessen zu verfolgen.


Fazit


Ein facettenreicher Roman mit historischem Hintergrund, der mir beim Lesen zum Teil der Atem verschlug, mal eine Träne abluchste und mich auch zum Lachen bringen konnte.



Montag, 10. Juni 2019

Die Vergessenen - Ellen Sandberg


Die Vergessenen
Roman
Penguin Verlag
Verlagsgruppe Random House
Autorin: Ellen Sandberg
ISBN 978-3-328-10089-8
512 Seiten
Paperback


Hintergrund


In diesem 512 Seiten starken Roman greift die Autorin Ellen Sandberg ein Thema aus der Zeit des zweiten Weltkriegs auf: die Euthanasie in Heil- und Pflegeanstalten.

Die Tötungsanstalten waren offiziell abgeschafft, doch es gab immer noch Menschen in Führungspositionen und darunter, die das nationalsozialistische Gedankengut lebten und in den Heil- und Pflegeanstalten tätig waren.

In dem Roman Die Vergessenen wird trotz wahrer geschichtlicher Hintergründe und Begebenheiten ein fiktives Geschehen mit fiktiven Charakteren erzählt. Die Recherche führte Ellen Sandberg zu der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar und zu den Ereignissen am 10. Juni 1944 in das griechischen Dorf Distomo.


Inhalt und Personen


Die Vergessenen wird aus drei verschiedenen Perspektiven in unterschiedlichen Zeiten erzählt.

In der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg arbeitet Kathrin Mändler als Krankenschwester. Es ist 1944. Sie hat gerade dort angefangen und kümmert sich dort um die Pfleglinge.

"Lachend setzte sie das Kind ab. Es war so fröhlich und gutmütig wie die meisten Menschen mit der Diagnose Mongoloide Idiotie." - Seite 75

Rund 70 Jahre später erhält Manolis Lefteris einen besonderen Auftrag: Er soll ein Dossier für einen unbekannten Auftraggeber beschaffen. Doch die Dame, bei der sich die Unterlagen befinden sollen, liegt nach einem Schlaganfall im Koma. So wird der Routineauftrag plötzlich spannend, denn Manolis hat keinerlei Information darüber, um was für Unterlagen es sich handeln soll.

So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich an die Fersen der fürsorglichen Nichte Vera Mändler zu heften. Vera Mändler ist mit Leib und Seele Journalistin. Doch 2013 sind die Jobs für Journalisten rar. Viele sind gezwungen auf andere Jobs auszuweichen und so arbeitet Vera notgedrungen für ein Frauenmagazin und kümmert sich in ihrer Freizeit um die familiären Angelegenheiten.


Meine Meinung


Mit einer stoischen Ruhe werden die grausamen Zustände in der Heil- und Pflegeanstalt erzählt. Der Schreibstil ist eingängig und die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Aufgrund der sehr ernsten Thematik ist Die Vergessenen ein Roman der Zeit braucht. Und diese Zeit nehme ich mir gern. Die Charaktere sind spannend. Ein jeder bringt eine anschauliche Vergangenheit mit, die auf ihre Sorgen, Ängste und Nöte zurückführen. Dadurch sind ihre Handlungen schlüssig und ich kann das Geschehen nachvollziehen.
Gern habe ich Vera Mändler begleitet, wie sie immer mehr Klarheit über die Vergangenheit ihrer Tante Kathrin herausfindet. Schlussendlich waren ihre Recherchearbeiten so spannend, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Ich wollte mehr erfahren.
Grandios verknüpft ist das Ganze mit der Geschichte um Manolis Lefteris. Und anhand dieser Geschichte wird spürbar, wie nachhaltig die Kindheit den Menschen prägt. Eine spannende Reise mitunter in die Psychologie und die deutsche Geschichte.

Fazit


Ein Buch, dass mich anfangs mit einer Ruhe überraschte, die ich so selten erlebe und zum Ende immer spannender wurde. Die Vergessenen werde ich mit Sicherheit eines nicht: vergessen.










Sonntag, 9. Juni 2019

Schlaflied - Cilla und Rolf Börjlind


Schlaflied
Kriminalroman
btb-Verlag der Random House Gruppe
Cilla und Rolf Börjlind
ISBN 978-3-442-71611-1
576 Seiten


Vorabinformation


Schlaflied ist bereits der vierte Fall, den das Ermittlerduo Tom Stilton und Olivia Rönning zu lösen haben.

Um die Entwicklung der Charaktere zu verfolgen, empfiehlt es sich, die einzelnen Bände der Reihe nach zu lesen. Wem das nicht so wichtig ist, der kann - wie ich - auch mit dem vierten Band starten und sich anschließend darüber freuen, dass es bereits drei Vorgängerromane und einen Nachfolgeband gibt.

Aufmerksam geworden bin ich auf die Reihe dieses Autorenduos anlässlich einer Lesung im Jahr 2016. Dort wurde seinerzeit der erste Band, Die Springflut, vorgestellt.

Da mit diesem vierten Band in meiner Rezension sicherlich Spoiler zumindest bezüglich der Protagonisten vorhanden sein werden, empfehle ich denen, die nun lieber sagen "ich beginne mit Band 1 der Reihe", die nachfolgenden Informationen nicht weiter zu lesen.
Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Entdecken.


Inhalt und Personen


Olivia Rönning ist in diesem vierten Fall Teil des Ermittlerteams um Mette Olsäter. Gemeinsam mit Bosse Thyrén und Lisa Hedqvist arbeitet sie an der Aufklärung eines Mordes in Smaland, der eher zufällig entdeckt wurde. Zur gleichen Zeit bietet Tom Stilton Mette seine Hilfe bei laufenden Ermittlungen an. Tom Stilton ist derzeit freigestellt und hat einen Teil der vergangenen Jahre als Obdachloser auf der Straße gelebt. Da Olivia und Tom auch früher schon zusammen gearbeitet haben, fügt Mette die Beiden wieder als Team zusammen.

Während Tom Stilton bei den Ermittlungen hilft, bittet ihn die junge Muriel um Hilfe. Muriel ist selbst obdachlos und kennt daher Tom. Für eine gewisse Zeit hat sie Unterschlupf außerhalb der Stadt gefunden. Dort traut sie sich nun aber mit ihrem Schützling, einem nigerianischen Flüchtlingskind namens Folami, nicht mehr hin.

Die Frage ist, was geschieht in den Wäldern von Smaland?


Meine Meinung


Das Autorenduo Börjlind gestaltet die Geschichte in diesem Kriminalroman sehr komplex. Von allen Seiten lernt man die Charaktere kennen. Die Handlungsstränge laufen parallel und sind oft nur durch ein * Sternchen getrennt. Mit Spannung und Interesse verfolge ich jeden einzelnen dieser Handlungsstränge. Dabei bin ich mal Teil des Ermittlerteams, mal schaue ich den Nebencharakteren über die Schulter oder erlebe das Geschehen rund um die Seite des Antagonisten. Dabei heben sich die Charaktere gut voneinander ab und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Das ist gerade in diesem Buch unendlich wichtig, da zu Beginn eines "Seitenwechsels" nicht explizit darauf hingewiesen wird, sondern ich immer in das entsprechende Geschehen "hineintappe".

Von Nutzen ist der einfache und oft erklärende Schreibstil, den das Autorenduo verwendet. Bereits am Geschehen kann ich erkennen, mit wem ich es in den folgenden Zeilen zu tun haben werde.

In diesem Kriminalroman wird das schändliche Ausnutzen Schutz- und Hilfebedürftiger aufgegriffen und die Geschäfte, die skrupellose Menschen damit treiben.


Fazit


Dieser Kriminalroman ist für alle, die komplexe Ermittlungsgeschichten lieben.
Ich habe diesen Krimi gern gelesen. Er schildert gnadenlos und offen das Geschehen und besticht durch die Komplexität seines Aufbaus.






Samstag, 8. Juni 2019

Marmelade im Herzen - Hilly Martinek


Marmelade im Herzen
Roman
Penguin Verlag
Autorin: Hilly Martinek
ISBN 978-3-328-10258-8
314 Seiten


Inhalt und Personen


Der Roman spielt in zwei Zeitebenen.
Im Jahr 2017 begegne ich der erwachsenen Tilda. Sie ist mit Philipp verheiratet und hat zwei entzückende Kinder: Käthe und Max. Daneben unterstützt Tilda ihren Mann in seiner Anwaltskanzlei mit der Buchhaltung, doch wirklich zufrieden ist sie damit nicht. Zudem sorgt sie sich um ihren Vater Niko, der auf sie immer zerstreuter und vergesslicher wirkt. Das weckt in Tilda Erinnerungen an ihre Kindheit und ihr Zusammenleben mit Großvater Amandus. Anhand ihres Tagebuchs kehrt sie zurück zu ihren Kindertagen im Jahr 1998.

Im Jahr 1998 zieht Opa Amandus in das Elternhaus der jungen Tilda. Tilda ist 11 Jahre alt und bekommt ziemlich schnell heraus, dass Opa Amandus an Alzheimer erkrankt ist. Sie sorgt sich um ihn und damit dafür, dass Amandus und sie jede Menge Spaß zusammen haben. Dabei nimmt sie stets Rücksicht auf Amandus und lässt ihn so sein, wie er ist. Vor allen Dingen lässt sie ihn glücklich sein.

Gemeinsam mit Smylla - ihrer Freundin aus Kindertagen - erlebt sie die Zeit mit Amandus anhand der Tagebucheinträge noch einmal nach. Dabei befinden sich beide - trotz eines Blickes zurück - mitten in einer persönlichen Weiterentwicklung.


Meine Meinung


Hilly Martinek erzählt in einer frischen und fröhlichen Art über die Erlebnisse der jungen und der erwachsenen Tilda und die Tücken des an Alzheimer erkrankten Opas Amandus. Die einzelnen Kapitel lassen sich leicht lesen und vor jedem Wechsel in der Zeitebene ist zudem der Ort, der Monat und das Jahr angegeben. So weiß ich bereits vor der ersten Zeile, ob ich bei Tilda auf das 11jährige Mädchen treffe oder der jungen Mutter begegne.

Marmelade im Herzen ist das Buch zu dem bekannten Film Honig im Kopf und - obwohl ich den Film bereits vor geraumer Zeit gesehen habe und er mir noch sehr lebendig vor Augen ist - kann ich mich gut auf die Geschichte einlassen. Die Charaktere wirken auf mich sehr lebendig und werden authentisch dargestellt. Selbst die Gesichtszüge kann ich mir während des Lesens gut vorstellen, wenn die Charaktere aufeinandertreffen. Begeistert bin ich vor allen Dingen, wenn es mal zu Reibereien zwischen ihnen kommt. Hilly Martinek schreibt in einer ganz besonders erfrischenden Weise von diesen Zusammentreffen, dass ich gar nicht anders kann, als mich darüber zu amüsieren. Und doch steht da unterschwellig immer der Ernst der Erkrankung und seine Tücken, so dass ich in diesen stillen Momenten auch leise bin.

"Warum schläft Opa bei dir im Bett?", flüsterte sie. "Er hat schlecht geträumt. Er dachte, die Russen würden kommen." - Seite 200

Fazit


Dieser Roman ist für alle, die sich vom Ernst des Lebens nicht beeindrucken lassen wollen, sondern es so nehmen, wie es gerade kommt: mit Humor, Verständnis und der notwendigen Empathie.

Palliative Begleitung: Hand in Hand - den letzten Weg gemeinsam gehen - Pat Langdon


Palliative Begleitung:
Hand in Hand - den letzten Weg gemeinsam gehen
Ratgeber
Moko-Verlag
Pat Langdon
ISBN 978-3-7485-3006-0
64 Seiten
erschienen am 8. April 2019


In diesem 64 Seiten umfassenden Ratgeber gibt Pat Langdon verschiedene Impulse im Umgang mit dem Betroffenen und im Umgang mit sich selbst als Angehöriger des Betroffenen.

Als Begleiter in dieser schweren Zeit, wenn man sich um den geliebten Mensch kümmern möchte, kann es zu Missverständnissen kommen. Nicht immer findet man die richtigen Worte - oder überhaupt Worte - um sich selbst mitzuteilen oder findet gar den Mut.




Mit diesem Ratgeber zur palliativen Begleitung kommt der Mensch schnell mit sanften Worten zu einem für ihn und seiner Situation passenden Anlehnung an sein eigenes Verhalten. Hier holt er sich Kraft, Stärke und Zuspruch.

"So wie jeder Sonnenuntergang einzigartig ist, so ist es auch der Mensch, mit all seinen Eigenheiten, Erinnerungen und Gedanken." - Seite 14

Der Ratgeber ist im handlichen DIN-A 5 Format und mit einem augenfreundlich großen Schriftbild gestaltet. Die kurzen übersichtlichen und angenehm bebilderten Kapitel lassen sich schnell und leicht verständlich lesen. Immer wieder befindet sich im Ratgeber Platz für Notizen, so dass man eigene Gedanken im Anschluss an das zuvor gelesene festhalten kann.

Dabei sind es oft ganz einfache Dinge, die dem Menschen Erleichterung und Entlastung verschaffen. Die Welt muss dafür nicht aus den Angeln gehoben werden, auch wenn man das angesichts des bevorstehenden Verlustes sicher gern für den Betroffenen tun würde.

Fazit:
Ich würde mir wünschen, dass dieser Ratgeber in Arztpraxen und auf Krankenstationen ausliegt, bei deren Behandlung eine palliative Begleitung voraussichtlich notwendig werden könnte.
Ein gut vorbereiteter Mensch - sei es als Betroffener oder als Angehöriger - kann ganz anders agieren und sich ohne Scheu mitteilen. Dieser Ratgeber eröffnet mit seinen einfühlsamen Worten die Möglichkeit für ein angstfreies Miteinander auf den letzten Schritten.




Donnerstag, 6. Juni 2019

Sven Koch - Dünenblut


Mit der Premierenlesung seines neusten Werkes war am Mittwoch, dem 5. Juni 2019 Sven Koch zu Gast bei Leuenhagen und Paris in Hannover. In meinem Artikel über die Lesungen im Juni, hattet Ihr darüber erste Informationen erhalten.

Sven Koch und Cornelia Fett am 5. Juni 2019 bei Leuenhagen & Paris, Hannover


Sven Koch lebt in Detmold und ist seit mehr als 30 Jahren Redakteur einer Tageszeitung.

Geschrieben hat er schon immer gern - während der Schulzeit auch mal einen Western auf den letzten Seiten seines Mathehefts. Beeinflusst wurde er beim Schreiben von Stephen King. Als er dessen Bücher las, dachte er unvermittelt: "Das muss ich doch auch können!"

Sven Koch am 5. Juni 2019 bei Leuenhagen & Paris, Hannover


Die Idee, den Krimi an der Nordsee spielen zu lassen, hielt Sven Koch für besonders - da kannte er allerdings den Schriftsteller der Ostfriesenkrimis Klaus-Peter Wolf noch nicht.

Ein weiteres Kriterium, das Sven Koch zu seinem Redakteur-Dasein und damit zum Schreiben verholfen hat, war die Tatsache, dass er - zur Finanzierung seines Urlaubs - mal einen Job in einer Fabrik angenommen hatte. Sehr schnell wurde ihm klar, dass körperliche Arbeit nichts für ihn ist. Nach drei Tagen hörte er in der Fabrik wieder auf.

Während des Schreibens ist Sven Koch dafür sehr strapazierfähig: Schreiben kann er auch, wenn rund um ihn herum Leben ist. Er ist es gewohnt, dass im Hintergrund Gespräche zu hören sind oder der Fernseher läuft. Ob er dabei Artikel für die Zeitung schreibt oder zu Hause an seinem Buch arbeitet, spielt dabei für ihn keine Rolle.

Neben seinem Vollzeitjob als Redakteur schreibt Sven Koch cirka zwei Bücher pro Jahr. Dabei benötigt er als reine Schreibzeit sechs Monate, während er mit der Entwicklung der Geschichte zusammen dann ungefähr neun Monate an einem neuen Buch arbeitet.

Mit seinen Morden versucht er "auf dem Boden" zu bleiben. Die Atmosphäre hingegen darf dann aber doch düster und hart sein. Das Meer steht für Sven Koch symbolisch für den Krimi. "Zunächst mag man nur die Oberfläche sehen, doch darunter lauert Schwärze - vielleicht sogar der Tod" verrät er uns im Anschluss an die Lesung.

Dünenblut heißt der aktuelle Thriller der mittlerweile sechs Bände umfassenden Krimi-Reihe um ein Quartett an Ermittlern. Tjark Wolf ist die Hauptfigur und wird durch Femke Folkmer bei den Ermittlungen unterstützt. Die Beiden werden von Fred Berger und Ceylan Özer begleitet. Man nennt die vier Ermittler auch die Fantastic Four.

Dünengrab, der erste Band dieser Reihe, war als Stand-Alone-Krimi geplant. Doch, wie das manchmal so ist mit der Planung: dem Verlag und den Lesern gefiel Dünengrab so gut, dass eine Fortsetzung her musste.

Wann es einen siebten Band geben wird, ist bislang noch nicht raus. Sollte der erste Satz des neuen Thrillers um Tjark Wolf genau in diesem Moment geschrieben werden, haben wir so cirka neun Monate die Gelegenheit, die vorangegangenen sechs Bände zu lesen, bevor der neue Thriller zunächst beim Verlag ankommt.

Während der Lesung habe ich jedenfalls "Feuer gefangen" und bin gespannt auf die Fantastic Four und vor allem auf die Jagd nach dem Runenkiller im aktuellen Thriller Dünenblut.
Erschienen ist das 352 Seiten starke Werk im Droemer Knaur Verlag am 3. Juni 2019.



Montag, 3. Juni 2019

Lesemomente im Juni 2019


So langsam locken uns die warmen Sonnenstrahlen nach draußen und die Urlaubszeit bricht an: Zeit für eine Sommerpause - zumindest, was die Lesungen betrifft.
Bevor es allerdings etwas ruhiger wird, gibt es im Juni noch einige Highlights, die ich mit Euch teilen möchte.

Am Mittwoch, dem 5. Juni 2019 wird Sven Koch seinen neuesten Kriminalroman um das Ermittlerteam Tjark Wolf und Femke Folkmer vorstellen. Das Buch erscheint genau heute, am 3. Juni 2019 und ist mittlerweile der sechste Band dieser Reihe. Der Roman umfasst 352 Seiten und ist im Droemer Knaur Verlag erschienen.

Die Vorgängerromane heißen Dünengrab (2013), Dünentod (2014), Dünenkiller (2015), Dünenfeuer (2016), Dünenfluch (2017) und sein neuestes Werk trägt den Titel Dünenblut (2019).

Sven Koch wird am kommenden Mittwoch bei der Buchhandlung Leuenhagen & Paris zu Gast zu sein und ich bin schon ganz gespannt, was er alles zu erzählen weiß.

Sven Koch schreibt außerdem unter dem Pseudonym Pierre Lagrange Kriminalromane um den Commissaire Albin Leclerc. Diese spielen in der Provence, in der Region Vaucluse. In dieser Region besaß seine Mutter mit ihrem Lebensgefährten einmal ein kleines Hotel mit Restaurant.


Am Donnerstag, dem 13. Juni 2019 freue ich mich auf Maiken Nielsen. Maiken Nielsen ist Autorin, Reporterin und Rundfunksprecherin. In ihrem neuen Roman Space Girls erzählt sie die Geschichte einer fiktiven jungen Frau namens Juni und deren Mutter Martha Richter. Der Roman basiert allerdings auf historischen Fakten und handelt von insgesamt 13 Frauen, die in den 60er Jahren an den Astronautentests der NASA teilgenommen haben. Das Projekt nannte sich Mercury 13 und verlangte von den jungen Frauen einiges ab: sie kündigten ihre Jobs und nahmen an den umfangreichen Tests teil. Doch leider durfte - trotz guter Ergebnisse - keine dieser Frauen ins All. Die Reise kam nur Männern zuteil - auch wenn diese allenfalls gleichwertige Ergebnisse bei den Tests aufwiesen.

Einige von Euch kennen Maiken Nielsen als Autorin sicherlich schon. Ihr Vorgängerroman Und unter uns die Welt erschien am 21. September 2016. Darin erzählt Maiken Nielsen die Geschichte ihres Großvaters Christian Nielsen, der vor mehr als 80 Jahren einer der Überlebenden des Hindenburg-Unglücks war. Am 6. Mai 1937 ging der Zeppelin in Flammen auf. Zwei Jahre später verschwand Christian Nielsen als Luftaufklärer in Spanien und hinterließ einen Abschiedsbrief.

Die Lesung findet in den Räumlichkeiten der Buchhandlung Leuenhagen und Paris in Hannover statt und ich bin froh, dass ich bereits eine Karte für diese Lesung reserviert habe.


Am Dienstag, dem 25. Juni 2019 wäre ich gern in der Apostelkirche dabei, wenn Bettina Tietjen ihr Buch Tietjen auf Tour: Warum Camping mich glücklich macht vorstellt. Auf 272 Seiten erzählt Bettina Tietjen heitere Anekdoten aus ihrem Campingleben und auch, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Sie schreibt anschaulich und lebensfroh und ich bin mir sicher, dass sie genauso fröhlich darüber live zu berichten weiß. Bettina Tietjen ist seit mehr als 20 Jahren für den NDR tätig und unter anderem in der Vorabendfernsehserie DAS! zu sehen und im Radiosender NDR 2 bei Tietjen talkt zu hören. Gern lasse ich mir später berichten, wie die leidenschaftliche Camperin ihre Leser und Zuhörer unterhalten hat.

Wer noch keine Karte hat: Bettina Tietjen ist Gast der Buchhandlung Leuenhagen und Paris. Veranstaltungsort ist an diesem Tag die Apostelkirche.


Und nun habe ich als Special noch einen Hinweis:

Viele haben mich gefragt, wann Rafik Schami denn mal wieder in Hannover sein wird. Noch in diesem Monat - der genaue Tag ist noch nicht bekannt - wird seine Frau Root Leeb in Begleitung ihres Mannes auftreten. Im Moment warte ich selbst noch auf den genauen Termin. Sobald mir die genauen Daten bekannt sind, werde ich Euch selbstverständlich unterrichten. Gastgeber wird die Buchhandlung Leuenhagen und Paris sein.
Soviel kann ich aber auf jeden Fall schon einmal verraten: es geht bei dieser Lesung, bei diesem Event, um die Liebe.

Root Leeb ist Zeichnerin und Autorin und als Gestalterin der Bücher von Rafik Schami bekannt geworden. Ich drück mir jetzt schon die Daumen, dass ich an dem noch ausstehenden Termin Zeit habe.


Montag, 27. Mai 2019

Blutacker - Lorenz Stassen


Blutacker
Thriller
Heyne Verlag
erschienen am 12. November 2018
Autor: Lorenz Stassen
ISBN 978-3-453-43944-3
352 Seiten






Entstehung


Die Idee zu der Geschichte hatte Lorenz Stassen, Autor dieser Geschichte, bereits im September 2016. Ein Zeitungsartikel berichtete über die Versteigerung eines Ackers, dessen Erlös beinahe das Fünffache des eigentlichen Wertes betrug. Dabei handelte es sich nachweislich um ein Überschwemmungsgebiet im Schatten einer Raffinerie und nicht um Bauland. - Und damit um Stoff für eigene Ideen.








Handlung und Personen


Blutacker ist bereits der zweite Band einer Trilogie um den jungen Anwalt Nicholas Meller.
Nicholas Meller hat sich durch einen spektakulären Fall als Anwalt und Strafverteidiger einen Namen gemacht und konnte - bedingt durch seinen neuen Bekanntheitsgrad und steigender Umsätze - seine Kanzlei in die Kölner Innenstadt verlegen. Die Anfänge dieser steilen Karriere und wie es zu der Wandlung seiner Lebensumstände kam, sind in Angstmörder, dem ersten Band, zu finden.

Unterstützt wird Nicholas Meller von seiner Referendarin und mittlerweile Lebensgefährtin Nina Vonhoegen. Nina Vonhoegen leidet von Geburt an unter Dismelie, einer Fehlbildung, und seit dem letzten Fall auch unter Albträumen.

Für den neuesten Fall kommt Nicholas Meller sein russischer Hintergrund zugute: sein Auftraggeber entstammt dem deutschen Adel und möchte einen Freund aus dem russischen Gefängnis zurück nach Deutschland holen. Zur gleichen Zeit wird ein Paketbote ermordet und ein Paket entwendet. Ein Paket, adressiert an Nicholas Meller.


Meine Meinung


Der Schreibstil ist atemberaubend spannend und umgangssprachlich gehalten. In den feinen Kreisen, wie in den gewöhnlichen, herrscht ein normaler Ton.
Der Spannungsbogen wird durchweg gehalten und immer mal wieder durch außergewöhnliche, dabei menschlich nachvollziehbare, Begebenheiten gelockert.

"Das war das Problem mit diesen Typen in ihren teuren Anzügen. Zivilisten." - Seite 201

Dabei sind die Charaktere - Protagonisten wie Nebenfiguren - so vielschichtig und natürlich, dass es mich nicht wundern würde, dem einen oder anderen im wirklichen Leben zu begegnen.
Was die Geschichte für mich besonders macht, ist die Kunst, diese so zu erzählen, dass ich beim Lesen das Gefühl habe, am Geschehen teilzunehmen. Dieser sogenannte "Wirklichkeitseffekt" hat mich nachhaltig beeindruckt.

"Dass Justitia blind war, sah man an grünbraunen Bodenfliesen, die sich mit braunrotem Teppichboden abwechselten." - Seite 250

Ebenso beeindruckt hat mich die Geschichte von Nina Vonhoegen. Eine junge, bildhübsche, gescheite Frau mit einer Behinderung. Von Geburt an fehlt ihr der rechte Arm. Wie sie damit zurecht kommt und ihr Leben meistert, wird in dem Buch ganz natürlich, wie nebenbei, erwähnt.

Dabei ist die Geschichte fiktiv - auch die Personen darin.


Fazit


Wer, wie ich, ein Faible für spannungsgeladene Thriller hat, dem kann ich Blutacker ans Herz legen.

Ich freue mich bereits heute auf Opferfluss, dem dritten Band der Trilogie. Dieser erscheint voraussichtlich am 10. Februar 2020 und wird 400 Seiten umfassen.


Bonus


Wer nun Lust bekommen hat, mit dem ersten Band der Trilogie durchzustarten und mehr über den Autor und die Entstehung der Geschichte erfahren möchte, dem empfehle ich meinen Artikel über die Lesung von Lorenz Stassen zu Angstmörder.




Samstag, 25. Mai 2019

Was du nicht willst das man dir tu - C. Rimmeck


Was du nicht willst das man dir tu
Thriller
Autor: C. Rimmeck
ISBN 978-3-9820304-0-1
427 Seiten



C. Rimmeck - Was du nicht willst das man dir tu

Was du nicht willst das man dir tu 

Ich war sehr gespannt, wie sich der Titel des Buches zum Inhalt verhält.
Schließlich sollte dieser Satz - hier Halbsatz - ja dafür stehen, freundlich anderen Menschen gegenüber zu sein. 







Was du nicht willst das man dir tu ist der Auftakt einer Reihe, in der es um die beiden Protagonisten, dem Kommissar Martin Holz und seiner Kollegin Corinna Weidlich geht.

Martin Holz ist der Star unter den ermittelnden Beamten - bis zu dem Tag, an dem er beinahe seine ganze Familie verlor. Nun lebt er allein mit seiner Tochter Isabel. Seine Frau und seine anderen beiden Töchter sind ums Leben gekommen. Martin Holz versucht sein Gehirn mit Alkohol zu betäuben um möglichst zu vergessen. Darüber vergisst er auch, sich um seine überlebende Tochter Isabel zu kümmern und vernachlässigt seinen Dienst. 

Corinna Weidlich ist neu in der Stadt und wird Martin Holz zugeteilt. Corinna Weidlich fügt sich in die Situation, lässt sich aber von Martin Holz weder ausbooten noch in ihrer Arbeit behindern. Dass sie sich von anderen nicht beeindrucken lässt, sondern ihren eigenen Vorgaben folgt, hat sie auf ihrer letzten Dienststelle unter Beweis gestellt: dort hat sie ihren Partner an die Interne "verpfiffen". 

Dieses ungleich wirkende, junge Ermittlerteam wird daraufhin losgeschickt, um die Daten und Fakten einer vermeintlichen Selbsttötung zu sichern und zu dokumentieren. 



Der Anfang der Geschichte lässt sich bereits leicht lesen. Die Charaktere lerne ich kennen, ohne dass sie gleich all ihre Besonderheiten preisgeben. Die charakterlichen Eigenschaften sind klar zu erkennen und die Personen grenzen sich gut gegeneinander ab. 

Und mir gefällt der Schreibstil. Diese schockierende Offenheit, die Möglichkeiten, sich selbst die Begebenheiten gedanklich zu gestalten, indem einiges auch offengelassen wird und diese frappierenden Schilderungen, die mich immer wieder auflachen lassen. 


"Der Stuhl, in dem Port saß, knarrte böse wie ein Hund im Halbschlaf." - Seite 44 



Ich habe viel Spaß beim Lesen und bin dabei stets sehr gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Vor allem zwischen Martin Holz und Corinna Weidlich. Sie bringt da ja schon eine Saite in ihm zum Klingen. Sehr amüsant. 

Zudem ist es knifflig, und die Geschichte regt zum Mitermitteln an. Habe ich gerade noch jemanden in Verdacht, der Täter zu sein, wird mit dem nächsten Satz schon meine Idee erschüttert und mir kommen Zweifel.
Die Spannung wird jedenfalls durchweg gehalten und ich verfolge mit großem Interesse das Geschehen. 

Der Spannungsaufbau ist dabei zum Teil so enorm, dass selbst ich mir beim Lesen nicht sicher war, ob ich die nachfolgend beschriebenen Geschehnisse aushalte. Die Neugier war jedoch stärker und nun kann ich diesen außergewöhnlichen Thriller weiterempfehlen. 

Und nun bin ich sehr gespannt, wie es mit dem Ermittlerteam weiter geht.








Samstag, 18. Mai 2019

Alte Sorten - Ewald Arenz


Alte Sorten
Roman
DuMont Buchverlag
Erscheinungstag: 18. März 2019
Autor: Ewald Arenz
ISBN 978-3-8321-8448-3
256 Seiten



Alte Sorten - wenn es nach dem Autoren gegangen wäre, so hätte das Buch Oktoberland heißen sollen. - Vermutlich, weil sich im Oktober die Stärke dieser beiden Frauen, um die es in dieser Geschichte geht, vollends entfalten und auf die jeweils andere übertragen kann. Beide sind mit einer Kraft ausgestattet, die man sonst in der Natur findet - wunderschön und von innen heraus.
Zeitlich spielt das Geschehen in diesem Roman im September und Oktober und umfasst einen Zeitraum von anderthalb Monaten. Einige Rückblenden auf das vorherige Leben werden eingewoben und ermöglichen auf diese Weise, die Protagonisten besser kennenzulernen.
Die beiden Frauen sind zwar unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters, doch ihre Sehnsucht nach Freiheit, dem Bedürfnis der eigenen Wünsche und der Liebe - vor allem der mangelnden - das haben sie gemein.



Sally ist 17 Jahre alt und bricht aus. Sie bricht aus, aus einem Leben, das sie nicht mehr aushält. Einem Leben nach einem Muster, das nicht zu ihr passt. Eines, das ihre Eltern ihr aussuchen. Doch das ist nicht Sally. So entflieht sie ihrem Elternhaus und trifft auf Liss.

Liss wollte einst fliehen. Strukturen, die nicht zu ihr passen, aufgezwungen durch ihr Elternhaus - und doch ist sie noch da. Da, wo sie als Kind einst lebte. Dort bewirtschaftet sie ihren Hof, Felder - scheinbar allein. Doch auch, wenn sie ziemlich verschlossen und wortkarg wirkt, braucht sie doch manchmal Hilfe. Und so spricht sie Sally an, als diese am Wegesrand auf sie trifft.

Da ist ein Erkennen, ein sich-vorsichtig-aus-dem-Weg-gehen und auch ein Verständnis zwischen den beiden Frauen - ohne Fragen mit Antworten, die einfach akzeptiert werden. Ohne große Worte.

Die Schlichtheit im Schreibstil, die klaren Worte in den schnörkellosen Sätzen - manchmal sind diese Sätze lediglich ein Wort kurz - machen den Reiz der Geschichte nur größer.

Alte Sorten ist ein Buch, dass man genießen kann. Es verwöhnt mit dieser ruhigen Stimmung, die heimelig wirkt und einen Willkommen heißt. Die Darstellung der Arbeitsabläufe bei der Ernte, die Beschreibung des Handwerkzeugs und die Schilderung der Beschaffenheit von dem Obst und der Natur rundherum wirken sehr eindrücklich auf mich. Ewald Arenz beschreibt beispielsweise die Früchte an den unterschiedlichen Birnenbäumen so nachhaltig, dass ich die Bilder wie aus der eigenen Erinnerung abrufen kann.

Ein ruhiges Buch, eine Geschichte um zwei starke Frauen, über Strukturen, die das Leben nicht braucht, weil es das Leben einschränkt. Ein Buch, dass ich sehr gern weiterempfehle. Eine Geschichte, die darstellt, dass trotz bitterer Wut und Verwundungen, die einem das Leben zufügt, das Leben auch Glück sein kann.



Dienstag, 14. Mai 2019

Lesemomente im Mai 2019


Bevor die Lesungsveranstaltungen nun in die Sommerpause gehen, bietet uns der Mai eine große, bunte Mischung an tollen Leseevents mit den verschiedensten Autoren und wunderbaren Geschichten.

Meine Karte für die Lesung am Montag, dem 6. Mai beispielsweise habe ich bereits seit geraumer Zeit. Schon vor Monaten habe ich mir die Karte für die Lesung mit Rafik Schami gekauft. Und genauso lange ist diese Lesung auch schon ausverkauft.

Mit Rafik Schami, Apostelkirche Hannover, 6. Mai 2019


Rafik Schami ist ein Erzähltalent und mit seinen Geschichten zieht er Leser jeden Alters in seinen Bann. Dabei schreibt er viel über Damaskus - seine Heimatstadt. Dort ist er am 23. Juni 1946 unter seinem bürgerlichen Namen Suheil Fadil geboren. Sein Pseudonym Rafik Schami bedeutet Damaszener Freund - und das ist er bis heute.

Im Alter von 20 Jahren gründete und leitete Rafik Schami in Damaskus die Wandzeitung, die 1969 allerdings verboten wurde. Unter der Zensur litt Rafik Schami sehr und als er auch noch Gefahr lief, zum Wehrdienst eingezogen zu werden, floh er 1970 zunächst in den Libanon und einige Monate später, 1971, wanderte er in die Bundesrepublik Deutschland aus.

Rafik Schami studierte Chemie und hatte nebenbei verschiedene Aushilfsjobs. 1979 promovierte er. Seit 1982 ist Rafik Schami freier Schriftsteller. Wie eingangs erwähnt, schreibt er viel über Damaskus - um seine Sehnsucht zu stillen und den Ort beim Schreiben zu besuchen. Rafik Schami lebt hier im Exil. Doch irgendwann möchte er mit seinem Sohn in seiner Heimatstadt Murmeln spielen. Er ist ein exzellenter Murmelspieler, erzählte er kürzlich in einem Interview mit Denis Scheck. Sein Sohn ist mittlerweile 27 Jahre alt. Rafik Schami war 25 als er sein Land verließ.

Über die Literatur sagt Rafik Schami, sie soll den Menschen bewegen, sensibilisieren, den Horizont erweitern, den Menschen beteiligen. Literatur ist Kunst, die einander nahe bringt.
Ich bin sehr froh, Rafik Schami persönlich zu begegnen. Meinen Artikel über die Lesung findet ihr hier.


Am Mittwoch, dem 15. Mai 2019 wird Katrine Engberg mit ihrem neuen Roman Blutmond bei Leuenhagen & Paris in Hannover sein. Auf diese Lesung freue ich mich sehr und bin schon total gespannt auf die Geschichte hinter dem Buch. Blutmond habe ich bislang nicht gelesen, doch im letzten Jahr die Lesung zu Krokodilwächter - dem Vorgängerroman von Katrine Engberg - war so toll und eindrucksvoll, dass ich mir auch diesmal nicht die Lesung entgehen lassen möchte.
Den deutschen Part liest die Schauspielerin Gisa Zach, moderiert wird der Abend von Andrea Heußinger. Die drei Frauen verfügen über soviel mitreißende Power in ihrem Einsatzgebiet, dass es mich jetzt kaum beim Schreiben über dieses Event auf dem Stuhl hält. Ich bin mehr als dankbar, dass ich an dieser Lesung teilnehmen darf und freue mich auf ein Wiedersehen.

Mit Katrine Engberg bei Leuenhagen und Paris


Elisabeth Herrmann werde ich tags darauf wiedersehen. Am Donnerstag, dem 16. Mai 2019 wird sie ihr Buch, den Thriller Schatten der Toten bei Hugendubel in Hannover vorstellen. Protagonistin dieser Reihe ist Judith Kepler. Judith Kepler ist Tatortreinigerin. Damit kennt sie den Tod auf eine ganz besondere Art und Weise. Schatten der Toten ist bereits der dritte Teil der Serie um Judith Kepler.

Mit Elisabeth Herrmann 2017 bei Leuenhagen und Paris, Hannover


Am Samstag, dem 18. Mai  2019 werden die Herzen der Ostfriesenkrimileser wieder höher schlagen. An diesem Abend ist Klaus-Peter Wolf in der Apostelkirche in Hannover zu Gast und stellt seinen neuen Krimi vor. Begleitet wird er dabei musikalisch von Bettina Göschl. Die Lesung ist bereits seit Wochen ausverkauft und wird von Leuenhagen und Paris veranstaltet.

Für die musikalische Untermalung bietet die Apostelkirche sicherlich den richtigen Raum für einen optimalen Klang und auch die Leseeindrücke, wenn Ann Kathrin Klaasen wieder ermittelt, werden sicher spannungsgeladen beim Publikum ankommen. Wohl dem, der zur rechten Zeit eines der begehrten Tickets ergattern konnte.


Mein Lieblingstag, der 22. Mai. Als Zwilling fühle ich mich ein bisschen zerrissen, da zwei ganz wundervolle Lesungen an diesem Tag stattfinden. Und an beiden würde ich mehr als gern teilnehmen.

In Hannover, bei Leuenhagen und Paris, wird Susan Abulhawa ihren Roman Nahrs letzter Tanz vorstellen. In diesem Buch geht es um die Palästinenserin Nahr. Im Jahr 1967 im Exil in Kuwait geboren, wächst sie zu einer unabhängigen, eigenwilligen und stolzen Frau heran. Der Tanz steht für sie gleichbedeutend mit Freiheit. Die Grenzen der Freiheit werden ihr jedoch nach der Trennung von ihrem Mann alsbald aufgezeigt. - Ein leider immer noch aktuelles Thema um die Unterdrückung der Frauen.
Moderiert wird der Abend von Margarete von Schwarzkopf, die für mich aus der Literaturszene gar nicht mehr wegzudenken ist.

Am selben Abend findet in Hamburg die Lesung mit Joel Dicker statt. Das Verschwinden der Stephanie Mailer - so lautet der Titel seines aktuellen Romans. Groß rausgekommen ist Joel Dicker im Jahr 2013 mit seinem Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Das Buch liegt hier bereits und wartet darauf, gelesen zu werden. Die Kritiken sind gemischt, daher bin ich total gespannt, was Joel Dicker alles an Hintergrundinformationen zu berichten weiß.

Total klasse finde ich, dass der Piper Verlag bei dem Buch auf die Folie verzichtet hat. Es befindet sich lediglich eine kleine Banderole über den Seiten. - Hoffentlich ist diese tatsächlich umweltfreundlicher. Gekennzeichnet ist sie jedenfalls mit #ohneFolie - Wir werden auf Plastik verzichten. - Warum auch nicht? - Taschenbücher schaffen es ja auch ohne Folie auf bzw. über den Buchhandelstisch.

Veranstaltet wird der Abend mit Joel Dicker von der Buchhandlung Heymann. Die Lesung und das Gespräch finden in Elmsbüttel statt, die Moderation übernimmt Peter Twiehaus. Peter Twiehaus ist unter anderem bekannt aus dem ZDF-Morgenmagazin, in dem er seit 2013 den Filmtipp aus dem wöchentlichen Kinoprogramm präsentiert.


Last, but not least:
Am Donnerstag, dem 23. Mai findet bei Leuenhagen und Paris in Hannover noch eine weitere großartige Lesung statt. Alexander Oetker wird zu Gast sein und seinen Thriller Zara & Zoe - Rache in Marseille vorstellen. Es ist die Geschichte von zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein können. Dazu kommt, dass ihr jeweiliger Berufsethos sich nicht miteinander vereinbaren lässt. Und trotzdem: für diesen Fall müssen sie nicht nur zusammenarbeiten, sie müssen die Rollen tauschen.

Diesmal habe ich mich für das Hörbuch entschieden. Gelesen wird dieser spannungsgeladene Thriller von Beate Rysopp. - Am Lesungsabend wird sie nicht anwesend sein, daher aber auf diese Art in mein Wohnzimmer einziehen. Und damit dann auch die Zwillinge Zara und Zoe. Die eine - Zara - ist Kommissarin bei Europol. Die beste Profilerin - so heißt es jedenfalls. Zoe hingegen ist Killerin bei der korsischen Mafia. Und auch diese ist in ihrem Metier die Beste. Ich bin sehr gespannt, wie diese beiden Zwillingsschwestern unter dem Druck der Ermittlungen der Ermordung eines jungen Mädchens zusammenfinden und sogar die Rollen tauschen. - Ich bin wirklich froh, dass Alexander Oetker vor Ort sein wird und diese spannende Geschichte selbst vorstellt.

Für den Monat Mai sind es wirklich wieder so tolle, grandiose und außergewöhnliche Lesungen, dass ich kaum die Gelegenheit habe, zum Lesen zu kommen. Zu spannend sind die Recherchen rund um die Lesungen, die Autoren und die Geschichten. - Ich kann es kaum erwarten, die Lesungen zu besuchen und mich von den Geschichten gefangen nehmen zu lassen.

Bevor es dann lesungstechnisch in die Sommerpause geht, stelle ich dann aber noch die mich begeisternden Lesungen im Juni vor.

Habt eine schöne Zeit!




















Dienstag, 7. Mai 2019

Rafik Schami - Ich wollte nur Geschichten erzählen


Montag, 6. Mai 2019. An diesem Tag fand die lang ersehnte Lesung mit Rafik Schami in der Apostelkirche Hannover statt. Meine Karte für diese Lesung habe ich mir bereits am 13. November letzten Jahres gekauft. Beinahe genauso lange ist diese Lesung schon ausverkauft.
Noch mehr Geduld musste der Veranstalter des heutigen Abends aufbieten: Die Buchhandlung Leuenhagen & Paris wartet bereits seit 12 Jahren auf den Besuch von Rafik Schami. - Rafik Schami versprach am heutigen Abend, dass sein nächster Besuch nicht noch einmal in solcher Ferne liegen würde.

Mit Rafik Schami, Apostelkirche Hannover am 6. Mai 2019


Rafik Schami ist ein Erzähltalent und mit seinen Geschichten zieht er Leser jeden Alters in seinen Bann. Dabei schreibt er viel über Damaskus - seine Heimatstadt. Sein bürgerlicher Name ist Suheil Fadil. Sein Pseudonym Rafik Schami bedeutet Damaszener Freund - und das ist er bis heute.

Im Alter von 20 Jahren gründete und leitete Rafik Schami in Damaskus die Wandzeitung, die 1969 allerdings verboten wurde. Unter der Zensur litt Rafik Schami sehr und als er auch noch Gefahr lief, zum Wehrdienst eingezogen zu werden, floh er 1970 zunächst in den Libanon und einige Monate später, 1971, wanderte er in die Bundesrepublik Deutschland aus.

Schlimm, so erzählt Rafik Schami, war der Moment, in dem sein Herz verstand, dass er womöglich nie in seine Heimat und zu seiner Familie würde zurückkehren können. 

Rafik Schami studierte Chemie und wollte immer Chemielehrer und Schriftsteller werden. In seiner Heimat haben sie über drei Monate Sommerferien - also genug Zeit, sich dem Schreiben zu widmen. Während der Unterrichtszeit wollte er recherchieren.

Durch seine Flucht und das Leben im Exil hat er seine Pläne ändern müssen. 
Seit 1982 ist Rafik Schami freier Schriftsteller. Kein leichter Weg, denn seine teuer fotokopierten Werke, kamen anfangs meist ungelesen von den Verlagen wieder zurück. Dennoch hat er nie aufgegeben und dabei oft an seinen Vater gedacht, der ihm dafür sehr wichtige Worte mit auf den Weg gab: "Wirf einen Klumpen Lehm an eine weiße Wand und du wirst sehen, es bleiben Spuren zurück. Wirf einen weiteren Klumpen Lehm, dann wird mehr haften bleiben. Und so machst du es immer wieder und wieder, bis du dein Ziel erreichst." Rafik Schami hat es geschafft. 

Ich bin froh, dass ich Rafik Schami persönlich begegnen durfte. Er ist wirklich ein begnadeter Geschichtenerzähler und ich konnte gespannt den Abend über verfolgen, was er zu erzählen weiß.

An diesem Abend habe ich mir sein Buch Sophia oder der Anfang aller Geschichten signieren lassen. Über dieses Buch habe ich schon so viel gehört, dass ich auf dieses Werk ganz besonders gespannt bin. 



Montag, 22. April 2019

Der Duft von Rosmarin und Schokolade - Tania Schlie


Der Duft von Rosmarin und Schokolade
Roman
von Tania Schlie
erschienen als MIRA Taschenbuch
12. März 2018
ISBN 978-3-95649-781-0
316 Seiten


Inhalt und Personen

Maylis Klinger ist Anfang 40 und lebt zurückgezogen, ganz als hätte sie ihr Leben hinter sich. Vor einem Jahr hat ihr Mann Max sie von einem Tag auf den anderen verlassen und mit ihm ihre beste Freundin Elena. Sie hat den Job gewechselt und ihre Freunde vernachlässigt, bis niemand mehr zu ihr kam. Nun arbeitet sie in einem alteingesessenen Feinkostladen in Hamburg, den Weg zur Arbeit bewältigt sie mit dem Fahrrad und Abends kontrolliert sie gern, ob einer der Kunden etwas im Laden verloren hat. Dabei unterstellt sie den dagelassenen Gegenständen gern ein gutes Omen.



Maylis ist Angestellte und gleichzeitig die gute Seele in dem Feinkostladen. Mit all den wunderschönen Leckereien kennt sie sich hervorragend aus. Selbst passende Weine kann sie zu den verschiedensten Anlässen empfehlen. Dabei reagiert sie bei dem einen oder anderen Kunden entsprechend menschlich, wenn diese Kunden den respektvollen Umgang mangeln lassen.


Meine Meinung


Behutsam lerne ich die Geschichte von Maylis Klinger und all den wunderbaren Nebencharakteren kennen. Alle Charaktere haben ihre Ecken und Kanten: mal ganz sanfte, mal ganz hervorstechende. All diese Menschen werden in der Geschichte um Maylis bildhaft miteinander verwoben.

"Annette war die nette der beiden Verkäuferinnen. Die andere war Frau Burfeind, doppelt so alt, doppelt so dick und mit halb so viel Humor." - Seite 24

Die Autorin Tania Schlie schreibt in einer Zartheit von Maylis Gefühlen zu ihrer Umwelt und den Menschen darin sowie zu kulinarischen Köstlichkeiten, dass ich mich gern mit auf diese Reise nehmen lasse. Eine Geschichte, wie eine Umarmung. Sanft und voller Versprechen. Und dennoch lässt mich die Protagonistin auch zwischendurch immer mal herzlich lachen. So sanft wie sie scheint, genauso faustdick kann sie es scheinbar auch hinter den Ohren haben.

"Er fasste sich an den Kopf. "Und ich bin ein Idiot …" "Ungewöhnlicher Name." - Seite 96

Fazit


Ein herrlicher Wohlfühlroman mit dem ich wunderbar abschalten und entspannen kann.



Dienstag, 16. April 2019

Abgeschlagen - Michael Tsokos mit Wolf-Ulrich Schüler


Abgeschlagen
Thriller
Autor: Michael Tsokos mit Wolf-Ulrich Schüler
E-Book
erschienen am 22. Februar 2019
Knaur eBook
ISBN 978-3-426-45541-8
454 Seiten




Abgeschlagen ist der Auftaktroman der Reihe um den Rechtsmediziner Paul Herzfeld. Paul Herzfeld kennen wir aus dem Thriller Abgeschnitten, den Michael Tsokos gemeinsam mit Sebastian Fitzek herausgegeben hatte. Abgeschnitten wurde bereits verfilmt und im vergangenen Jahr in den deutschen Kinos ausgestrahlt.

Abgeschlagen spielt zeitlich 10 Jahre vor den Ereignissen von Abgeschnitten. Während der polizeiliche Ermittler, Michael Tomforde, eher der Zurückhaltende in dieser Reihe zu sein scheint, nimmt Paul Herzfeld als Rechtsmediziner die Ermittlungen in die Hand und vergeudet keine Zeit mit langen Rücksprachen mit der Polizei.






Paul Herzfeld ist 36 Jahre alt, hat eine Tochter Hannah und ist verlobt mit Petra Schirmherr, der Mutter von Hannah. An dem Institut für Rechtsmedizin in Kiel ist er erst kurze Zeit, aber lang genug, um von Zeit zu Zeit mit seinem Vorgesetzten, Prof. Volker Schneider, aneinanderzugeraten. Er mag diese Auseinandersetzungen nicht, aber er scheut sie auch nicht.

Als sein Vorgesetzter wiederholt schnelle Ergebnisse liefert, wird Herzfeld nachdenklich und zieht Erkundigungen ein. Zusätzlich erhält er Hinweise vom Hausmeister und Hüter der Asservatenkammer, Ernst Hansen.


Meine Meinung


Was mir gut gefällt an der Geschichte, sind die Charaktere. Alle sind mit viel Tiefgang gezeichnet, haben ihre eigene, unverwechselbare Identität. So bin ich nah am Geschehen und die unterschiedlichen Charaktere lassen mich an ihrem Lebensabschnitt teilhaben.

So, wie Michael Tsokos, der diese Geschichte aus den verschiedenen Blickwinkeln der einzelnen Charaktere erzählt. Die Kapitel sind dabei übersichtlich kurz gehalten und jeweils mit Orts- und Zeitangabe versehen. Dabei weiß ich zu Beginn des Kapitels nicht nur, in welcher Stadt ich mich befinde, sondern auch, in wessen Räumlichkeiten.

In diesem Thriller bekomme ich viele Details im Umgang mit einer Leiche am Tatort und anschließend in der Rechtsmedizin. An diesem Punkt bin ich froh, dass die Lektüre des E-Books geruchsneutral ist. Die Beschreibungen der einzelnen Vorgänge sind für die Vorstellung in Gedanken detailliert genug.

Während der Beschreibungen aus der Rechtsmedizin baut die anfängliche Spannung etwas ab. Entspannt und interessiert kann ich den Ausführungen folgen, bis dann die Spannung wieder anzieht und wohldosiert durch heitere Passagen aufgelockert wird.

Alles in allem ein solider Thriller, der vor allem durch den sympathischen und zielstrebigen Paul Herzfeld brilliert.




Samstag, 13. April 2019

Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta - Maxim Huerta


Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta
Roman
Autor: Maxim Huerta
erschienen im Februar 2019 im Thiele Verlag
ISBN 978-3-85179-377-2
367 Seiten
Titel der spanischen Original-Ausgabe: No me dejes
erschienen 2015 im Espasa Libros

[Werbung - unbezahlt]


Der Blumenladen der Mademoiselle Violetta - Maxim Huerta  
Inspiriert vom Wunsch nach Frühling halte ich das Buch Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta in meinen Händen. Das Buch erschien bereits 2015 in Spanien unter dem Titel "No me dejes", was soviel heißt wie "verlass mich nicht" und in diesem Jahr eröffnet uns nun der Thiele Verlag die Möglichkeit, die Geschichte kennenzulernen. Seit Februar ist das Buch im deutschen Handel erhältlich.

Die Umschlaggestaltung finde ich besonders einnehmend. Das Umschlagpapier ist strukturiert und wirkt - nach einem kurzen Überraschungsmoment - anschmiegsam. Das Buch will in meinen Händen liegen.
Auch die Farbgestaltung - im Hinblick auf den Buchtitel - ist gelungen. Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta kling harmonisch und steht in Verbindung zu der violetten Farbgestaltung.


Nun bin ich neugierig, wie die beinahe verblühten Rosen auf dem Titelbild sich zu der Geschichte zwischen den Buchdeckeln verhalten.
Passend zum Titel finde ich auch die Verspieltheit in der Gestaltung der unterschiedlichen Schriftarten, und dass für den Namen Mademoiselle Violeta eine schön geschwungene Variante der Textgestaltung gewählt wurde.

Aber nicht nur das Cover und der Titel machen mich neugierig:

Maxim Huerta hat Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta einer ganz besonderen Frau gewidmet: Ana Maria Matute.

Und so lautet auch die erste Zeile noch vor dem Prolog:

"Zur Erinnerung an Ana Maria Matute, die mir den Frühling gebracht hat." - Seite 4

Doch wer ist oder wer war Ana Maria Matute?
Ana Maria Matute wurde am 26. Juli 1925 in Barcelona  geboren und starb dort knapp 89 Jahre später.
Ana Maria Matute wuchs während des spanischen Bürgerkriegs in einer kleinbürgerlichen Familie auf. Die Erlebnisse aus dieser Zeit schrieb sie nieder und veröffentlichte sie teils in ihren Werken. Daneben forderte sie schon früh die franquistischen Behörden mit ihren Schilderungen heraus, die nichts beschönigten.

Ana Maria Matute wurde für ihr 164 Seiten umfassendes Werk Erste Erinnerungen im Jahr 1959 mit dem Nadal Literaturpreis geehrt. Dieser Preis wird seit 1944 verliehen und ist mit 18.000,00 € dotiert. - Und immerhin noch 6.000,00 € für den Zweitplatzierten.

Mehr als 50 Jahre später wurde Ana Maria Matute mit dem Cervantespreis ausgezeichnet. Der spanische Cervantespreis ist dem international verliehenen Literaturnobelpreis angelehnt und wird für das Lebenswerk eines Autors verliehen. Seit 2008 ist dieser Preis mit immerhin 125.000,00 € dotiert, verliehen wird er seit 1976.

Maxim Huerta spürt man eine gewisse Verehrung für Ana Maria Matute an. Sie wird auch gleich anfangs zitiert:

"Man muss das Leben erfinden, weil es wahr werden könnte." - Seite 4

Und, seien wir mal ehrlich: nur so kann man den Lauf der Welt beeinflussen und ändern.

Im Leben braucht es neben einer gewissen Beständigkeit immer auch der Prüfung, ob etwas verbessert werden kann. Die Entwicklung vorangetrieben werden sollte oder das Bestehende erhalten bleiben muss.
Ana Maria Matute war jahrelang in der Real Academia Espanola tätig. Diese Akademie wurde 1713 gegründet und wacht seitdem über die spanische Sprache. Ihre Vorgaben in Wörterbüchern, Grammatik und im phonetischen Wörterbuch sind verbindlich.
Umgangssprachlich wird sie die Real Academia de la Lengua - Die königliche Akademie für Sprache genannt.

Nachdem ich nun so viel über Ana Maria Matute in Erfahrung bringen konnte, überlasse ich mich nun der Lektüre des Buches, das ihr vom Autor Maxim Huerta gewidmet wurde.



Quellen:
Ana Maria Matute