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Dienstag, 6. April 2021

Gespenster - Dolly Alderton


Gespenster
Roman
Hörbuch CD
Steinbach Sprechende Bücher
Autorin: Dolly Alderton
Übersetzerin: Eva Bonné
Sprecherin: Franziska Grün
MP3 CD - ca. 695 Minuten
ISBN 978-3-869745701
Erscheinungsdatum: 2. Februar 2021





Nina George feiert ihren 32. Geburtstag. 

Sie ist alleinstehend, hat sich ihren Traum einer Eigentumswohnung erfüllt und schreibt an ihrem nächsten Bestsellerkochbuch. 






In ihrem Freundeskreis wird währenddessen geheiratet, der Nachwuchs stellt sich ein und Nina begibt sich unter der fachmännischen Aufsicht ihrer Freundin Lola in die Abenteuer der Dating-App Links - die moderne Art einen zukünftigen Partner zu finden. 


Ninas Leben wäre damit schon bunt genug. Die voranschreitende Alzheimererkrankung ihres Vaters fordert jedoch nicht nur ihre Mutter, sondern auch Nina heraus und in manchen Momenten auch ihren Vater selbst. Während ihr Vater unter den Geistern der Vergangenheit leidet, leidet Nina darunter, dass ihre Dating-App-Bekanntschaft Max sich unvermittelt nicht mehr bei ihr meldet. 


Gespenster hat mich gut unterhalten und mir wieder vor Augen geführt, wie abhängig die Frau in der Gesllschaft auch in diesem Punkt vom Mann ist. Da hilft nur die eigene Ausgeglichenheit. Woher die Kraft dafür auch immer kommen mag. 


Dolly Alderton beleuchtet mit Gespenster gesellschaftskritisch die Stellung und die Problematik ihrer Altersgruppe. Die Geschichte ist tiefsinnig und mit einem Schmunzeln erzählt. Und sie zeigt die ungeschönte Wahrheit. 

Franziska Grün hat eine angenehme Erzählstimme. Im Dialog hätte ich mir beim Austausch der Nachrichten eine dem Charakter angepasste Klangfarbe gewünscht, um schneller den Verfasser der Nachricht erfassen zu können. Ich emfpand gerade zu Beginn der Geschichte das emotionale Geschehen sehr sachlich erzählt. Das rief in mir zunächst einen Zwiespalt hervor, der sich im Verlauf der Geschichte verringerte.


Fazit 

Gespenster hat mir gut gefallen und ich würde wieder ein Buch von Dolly Alderton zur Hand nehmen. Ich mag den nüchternen Blick auf die Tatsachen und den humorigen Erzählstil. Apropos nüchterner Blick auf die Tatsachen: in der Geschichte wird öfter mal zu einem Gläschen Wein gegriffen. Wer sich da leicht verführen lässt, lässt lieber die Finger davon. 





Samstag, 8. Juni 2019

Marmelade im Herzen - Hilly Martinek


Marmelade im Herzen
Roman
Penguin Verlag
Autorin: Hilly Martinek
ISBN 978-3-328-10258-8
314 Seiten


Inhalt und Personen


Der Roman spielt in zwei Zeitebenen.
Im Jahr 2017 begegne ich der erwachsenen Tilda. Sie ist mit Philipp verheiratet und hat zwei entzückende Kinder: Käthe und Max. Daneben unterstützt Tilda ihren Mann in seiner Anwaltskanzlei mit der Buchhaltung, doch wirklich zufrieden ist sie damit nicht. Zudem sorgt sie sich um ihren Vater Niko, der auf sie immer zerstreuter und vergesslicher wirkt. Das weckt in Tilda Erinnerungen an ihre Kindheit und ihr Zusammenleben mit Großvater Amandus. Anhand ihres Tagebuchs kehrt sie zurück zu ihren Kindertagen im Jahr 1998.

Im Jahr 1998 zieht Opa Amandus in das Elternhaus der jungen Tilda. Tilda ist 11 Jahre alt und bekommt ziemlich schnell heraus, dass Opa Amandus an Alzheimer erkrankt ist. Sie sorgt sich um ihn und damit dafür, dass Amandus und sie jede Menge Spaß zusammen haben. Dabei nimmt sie stets Rücksicht auf Amandus und lässt ihn so sein, wie er ist. Vor allen Dingen lässt sie ihn glücklich sein.

Gemeinsam mit Smylla - ihrer Freundin aus Kindertagen - erlebt sie die Zeit mit Amandus anhand der Tagebucheinträge noch einmal nach. Dabei befinden sich beide - trotz eines Blickes zurück - mitten in einer persönlichen Weiterentwicklung.


Meine Meinung


Hilly Martinek erzählt in einer frischen und fröhlichen Art über die Erlebnisse der jungen und der erwachsenen Tilda und die Tücken des an Alzheimer erkrankten Opas Amandus. Die einzelnen Kapitel lassen sich leicht lesen und vor jedem Wechsel in der Zeitebene ist zudem der Ort, der Monat und das Jahr angegeben. So weiß ich bereits vor der ersten Zeile, ob ich bei Tilda auf das 11jährige Mädchen treffe oder der jungen Mutter begegne.

Marmelade im Herzen ist das Buch zu dem bekannten Film Honig im Kopf und - obwohl ich den Film bereits vor geraumer Zeit gesehen habe und er mir noch sehr lebendig vor Augen ist - kann ich mich gut auf die Geschichte einlassen. Die Charaktere wirken auf mich sehr lebendig und werden authentisch dargestellt. Selbst die Gesichtszüge kann ich mir während des Lesens gut vorstellen, wenn die Charaktere aufeinandertreffen. Begeistert bin ich vor allen Dingen, wenn es mal zu Reibereien zwischen ihnen kommt. Hilly Martinek schreibt in einer ganz besonders erfrischenden Weise von diesen Zusammentreffen, dass ich gar nicht anders kann, als mich darüber zu amüsieren. Und doch steht da unterschwellig immer der Ernst der Erkrankung und seine Tücken, so dass ich in diesen stillen Momenten auch leise bin.

"Warum schläft Opa bei dir im Bett?", flüsterte sie. "Er hat schlecht geträumt. Er dachte, die Russen würden kommen." - Seite 200

Fazit


Dieser Roman ist für alle, die sich vom Ernst des Lebens nicht beeindrucken lassen wollen, sondern es so nehmen, wie es gerade kommt: mit Humor, Verständnis und der notwendigen Empathie.