Mittwoch, 19. Juni 2019

Lady Annes Geheimnis - Martha Sophie Marcus


Lady Annes Geheimnis
Historischer Roman
Bastei Lübbe
erschienen am 31. Mai 2019
Martha Sophie Marcus


Gleich zu Anfang der Geschichte wird klar, mit welchem Geheimnis Lady Anne Baynes tagtäglich umgehen muss. Ein Geheimnis, das ihr durch verschiedene Umstände vor allem aber Dank ihrer eigenen Familie aufgebürdet wird. Anne Baynes wird unverheiratet schwanger von einem Jakobiten, einem schottischen Anhänger des im Exil lebenden Jakob III, Ian Drummond.


Einst stand Annes Familie in den Diensten seines Vaters, Jakob II. Nach der Geburt ihres Sohnes Johnny wurde Anne Baynes von ihrem Kind getrennt und über Umwege schließlich an den Hof des Kurfürsten Georg Ludwig nach Hannover als Zofe verbannt. Einen solchen Makel, dass die Tochter von Sir Baynes von Madlock County, unehelich ein Kind empfing, konnte ihr Vater nicht hinnehmen. Und der hatte zu dieser Zeit das Sagen!




In Hannover empfängt Anne später die Nachricht, dass ihr geliebter Ian tot sei. Einzig die Hoffnung, ihren gemeinsamen Sohn wiederzusehen, hält Anne aufrecht und sie ist bemüht, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um wieder nach London zu gelangen, wo sich ihr Sohn in der Obhut fremder Menschen aufhalten soll. Als die Queen stirbt und der Kurfürst als King George den Thron Großbritanniens in Anspruch nehmen soll, beginnt sie die Suche nach ihrem Sohn. Gleichzeitig wird die Last des Geheimnisses immer größer und gefährlicher für Anne, denn der Vater ihres Kindes, Ian Drummond, steht als Jakobit nicht auf der Seite ihres Königs, dem sie - um mit nach London zu gelangen - die Treue geschworen hatte.


Meine Meinung


Eine spannend geschriebene Geschichte um eine fiktive und zudem ganz bezaubernde und liebenswerte Hauptfigur: Anne Baynes. Eingeflochten in die historischen Geschehnisse des Jahres 1714, als der Kurfürst von Hannover nach London reisen muss, um dort die Krone in Empfang zu nehmen.

In einer ruhigen Tonart, mit einfühlsamen Sätzen und zusätzlich einer überschaubaren Reihe an Worten, die der damaligen Zeit und der Gegend des Geschehens entliehen sind, wird der Leser auf die Reise von Hannover nach England und zurück ins 18. Jahrhundert mitgenommen. Die außergewöhnlichen Begriffe sind am Buchende in einem Glossar zusammengefasst und erleichtern das Verständnis beim Lesen. Ebenfalls am Ende des Buches befindet sich ein Namensregister, aus dem auch ersichtlich ist, ob es sich um reale oder fiktive Charaktere handelt. Beim Lesen der Geschichte wirken alle Charaktere sehr real, so dass auch hier ein Blick hilfreich, zugleich aber nicht notwendig ist. Zu gern hätte ich den einen oder anderen Charakter persönlich kennengelernt. Beim Lesen konnte ich eine Nähe vor allem zu Anne deutlich spüren. Anne macht es einem leicht, sie ins Herz zu schließen. Sie geht mit ihrem Herz und mit ihrem Verstand an die Lösung heran. Auch wenn mit ihr manchmal ihr Temperament durchgeht, dass sie oftmals gut im Zaum halten muss.

Verdeutlicht vor Augen geführt wird mir stellenweise auch die jeweilige Handlungsfreiheit der Charaktere. So gibt es Charaktere, die nach ihrem eigenen Ermessen handeln dürfen und welche, die agieren, wie man es von ihnen erwartet. Und doch tritt am Ende die Person selbst hervor, so dass Eigenheiten, die zuvor nicht schlüssig erschienen, dann wieder Sinn machen.

Eine Geschichte, die ich gern in eins durchgelesen hätte, für die ich mir dann doch Zeit gelassen habe, um das Geschehen angemessen zu verfolgen.


Fazit


Ein facettenreicher Roman mit historischem Hintergrund, der mir beim Lesen zum Teil der Atem verschlug, mal eine Träne abluchste und mich auch zum Lachen bringen konnte.



Samstag, 8. Juni 2019

Palliative Begleitung: Hand in Hand - den letzten Weg gemeinsam gehen - Pat Langdon


Palliative Begleitung:
Hand in Hand - den letzten Weg gemeinsam gehen
Ratgeber
Moko-Verlag
Pat Langdon
ISBN 978-3-7485-3006-0
64 Seiten
erschienen am 8. April 2019


In diesem 64 Seiten umfassenden Ratgeber gibt Pat Langdon verschiedene Impulse im Umgang mit dem Betroffenen und im Umgang mit sich selbst als Angehöriger des Betroffenen.

Als Begleiter in dieser schweren Zeit, wenn man sich um den geliebten Mensch kümmern möchte, kann es zu Missverständnissen kommen. Nicht immer findet man die richtigen Worte - oder überhaupt Worte - um sich selbst mitzuteilen oder findet gar den Mut.




Mit diesem Ratgeber zur palliativen Begleitung kommt der Mensch schnell mit sanften Worten zu einem für ihn und seiner Situation passenden Anlehnung an sein eigenes Verhalten. Hier holt er sich Kraft, Stärke und Zuspruch.

"So wie jeder Sonnenuntergang einzigartig ist, so ist es auch der Mensch, mit all seinen Eigenheiten, Erinnerungen und Gedanken." - Seite 14

Der Ratgeber ist im handlichen DIN-A 5 Format und mit einem augenfreundlich großen Schriftbild gestaltet. Die kurzen übersichtlichen und angenehm bebilderten Kapitel lassen sich schnell und leicht verständlich lesen. Immer wieder befindet sich im Ratgeber Platz für Notizen, so dass man eigene Gedanken im Anschluss an das zuvor gelesene festhalten kann.

Dabei sind es oft ganz einfache Dinge, die dem Menschen Erleichterung und Entlastung verschaffen. Die Welt muss dafür nicht aus den Angeln gehoben werden, auch wenn man das angesichts des bevorstehenden Verlustes sicher gern für den Betroffenen tun würde.

Fazit:
Ich würde mir wünschen, dass dieser Ratgeber in Arztpraxen und auf Krankenstationen ausliegt, bei deren Behandlung eine palliative Begleitung voraussichtlich notwendig werden könnte.
Ein gut vorbereiteter Mensch - sei es als Betroffener oder als Angehöriger - kann ganz anders agieren und sich ohne Scheu mitteilen. Dieser Ratgeber eröffnet mit seinen einfühlsamen Worten die Möglichkeit für ein angstfreies Miteinander auf den letzten Schritten.




Donnerstag, 6. Juni 2019

Sven Koch - Dünenblut


Mit der Premierenlesung seines neusten Werkes war am Mittwoch, dem 5. Juni 2019 Sven Koch zu Gast bei Leuenhagen und Paris in Hannover. In meinem Artikel über die Lesungen im Juni, hattet Ihr darüber erste Informationen erhalten.

Sven Koch und Cornelia Fett am 5. Juni 2019 bei Leuenhagen & Paris, Hannover


Sven Koch lebt in Detmold und ist seit mehr als 30 Jahren Redakteur einer Tageszeitung.

Geschrieben hat er schon immer gern - während der Schulzeit auch mal einen Western auf den letzten Seiten seines Mathehefts. Beeinflusst wurde er beim Schreiben von Stephen King. Als er dessen Bücher las, dachte er unvermittelt: "Das muss ich doch auch können!"

Sven Koch am 5. Juni 2019 bei Leuenhagen & Paris, Hannover


Die Idee, den Krimi an der Nordsee spielen zu lassen, hielt Sven Koch für besonders - da kannte er allerdings den Schriftsteller der Ostfriesenkrimis Klaus-Peter Wolf noch nicht.

Ein weiteres Kriterium, das Sven Koch zu seinem Redakteur-Dasein und damit zum Schreiben verholfen hat, war die Tatsache, dass er - zur Finanzierung seines Urlaubs - mal einen Job in einer Fabrik angenommen hatte. Sehr schnell wurde ihm klar, dass körperliche Arbeit nichts für ihn ist. Nach drei Tagen hörte er in der Fabrik wieder auf.

Während des Schreibens ist Sven Koch dafür sehr strapazierfähig: Schreiben kann er auch, wenn rund um ihn herum Leben ist. Er ist es gewohnt, dass im Hintergrund Gespräche zu hören sind oder der Fernseher läuft. Ob er dabei Artikel für die Zeitung schreibt oder zu Hause an seinem Buch arbeitet, spielt dabei für ihn keine Rolle.

Neben seinem Vollzeitjob als Redakteur schreibt Sven Koch cirka zwei Bücher pro Jahr. Dabei benötigt er als reine Schreibzeit sechs Monate, während er mit der Entwicklung der Geschichte zusammen dann ungefähr neun Monate an einem neuen Buch arbeitet.

Mit seinen Morden versucht er "auf dem Boden" zu bleiben. Die Atmosphäre hingegen darf dann aber doch düster und hart sein. Das Meer steht für Sven Koch symbolisch für den Krimi. "Zunächst mag man nur die Oberfläche sehen, doch darunter lauert Schwärze - vielleicht sogar der Tod" verrät er uns im Anschluss an die Lesung.

Dünenblut heißt der aktuelle Thriller der mittlerweile sechs Bände umfassenden Krimi-Reihe um ein Quartett an Ermittlern. Tjark Wolf ist die Hauptfigur und wird durch Femke Folkmer bei den Ermittlungen unterstützt. Die Beiden werden von Fred Berger und Ceylan Özer begleitet. Man nennt die vier Ermittler auch die Fantastic Four.

Dünengrab, der erste Band dieser Reihe, war als Stand-Alone-Krimi geplant. Doch, wie das manchmal so ist mit der Planung: dem Verlag und den Lesern gefiel Dünengrab so gut, dass eine Fortsetzung her musste.

Wann es einen siebten Band geben wird, ist bislang noch nicht raus. Sollte der erste Satz des neuen Thrillers um Tjark Wolf genau in diesem Moment geschrieben werden, haben wir so cirka neun Monate die Gelegenheit, die vorangegangenen sechs Bände zu lesen, bevor der neue Thriller zunächst beim Verlag ankommt.

Während der Lesung habe ich jedenfalls "Feuer gefangen" und bin gespannt auf die Fantastic Four und vor allem auf die Jagd nach dem Runenkiller im aktuellen Thriller Dünenblut.
Erschienen ist das 352 Seiten starke Werk im Droemer Knaur Verlag am 3. Juni 2019.



Montag, 3. Juni 2019

Lesemomente im Juni 2019


So langsam locken uns die warmen Sonnenstrahlen nach draußen und die Urlaubszeit bricht an: Zeit für eine Sommerpause - zumindest, was die Lesungen betrifft.
Bevor es allerdings etwas ruhiger wird, gibt es im Juni noch einige Highlights, die ich mit Euch teilen möchte.

Am Mittwoch, dem 5. Juni 2019 wird Sven Koch seinen neuesten Kriminalroman um das Ermittlerteam Tjark Wolf und Femke Folkmer vorstellen. Das Buch erscheint genau heute, am 3. Juni 2019 und ist mittlerweile der sechste Band dieser Reihe. Der Roman umfasst 352 Seiten und ist im Droemer Knaur Verlag erschienen.

Die Vorgängerromane heißen Dünengrab (2013), Dünentod (2014), Dünenkiller (2015), Dünenfeuer (2016), Dünenfluch (2017) und sein neuestes Werk trägt den Titel Dünenblut (2019).

Sven Koch wird am kommenden Mittwoch bei der Buchhandlung Leuenhagen & Paris zu Gast zu sein und ich bin schon ganz gespannt, was er alles zu erzählen weiß.

Sven Koch schreibt außerdem unter dem Pseudonym Pierre Lagrange Kriminalromane um den Commissaire Albin Leclerc. Diese spielen in der Provence, in der Region Vaucluse. In dieser Region besaß seine Mutter mit ihrem Lebensgefährten einmal ein kleines Hotel mit Restaurant.


Am Donnerstag, dem 13. Juni 2019 freue ich mich auf Maiken Nielsen. Maiken Nielsen ist Autorin, Reporterin und Rundfunksprecherin. In ihrem neuen Roman Space Girls erzählt sie die Geschichte einer fiktiven jungen Frau namens Juni und deren Mutter Martha Richter. Der Roman basiert allerdings auf historischen Fakten und handelt von insgesamt 13 Frauen, die in den 60er Jahren an den Astronautentests der NASA teilgenommen haben. Das Projekt nannte sich Mercury 13 und verlangte von den jungen Frauen einiges ab: sie kündigten ihre Jobs und nahmen an den umfangreichen Tests teil. Doch leider durfte - trotz guter Ergebnisse - keine dieser Frauen ins All. Die Reise kam nur Männern zuteil - auch wenn diese allenfalls gleichwertige Ergebnisse bei den Tests aufwiesen.

Einige von Euch kennen Maiken Nielsen als Autorin sicherlich schon. Ihr Vorgängerroman Und unter uns die Welt erschien am 21. September 2016. Darin erzählt Maiken Nielsen die Geschichte ihres Großvaters Christian Nielsen, der vor mehr als 80 Jahren einer der Überlebenden des Hindenburg-Unglücks war. Am 6. Mai 1937 ging der Zeppelin in Flammen auf. Zwei Jahre später verschwand Christian Nielsen als Luftaufklärer in Spanien und hinterließ einen Abschiedsbrief.

Die Lesung findet in den Räumlichkeiten der Buchhandlung Leuenhagen und Paris in Hannover statt und ich bin froh, dass ich bereits eine Karte für diese Lesung reserviert habe.


Am Dienstag, dem 25. Juni 2019 wäre ich gern in der Apostelkirche dabei, wenn Bettina Tietjen ihr Buch Tietjen auf Tour: Warum Camping mich glücklich macht vorstellt. Auf 272 Seiten erzählt Bettina Tietjen heitere Anekdoten aus ihrem Campingleben und auch, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Sie schreibt anschaulich und lebensfroh und ich bin mir sicher, dass sie genauso fröhlich darüber live zu berichten weiß. Bettina Tietjen ist seit mehr als 20 Jahren für den NDR tätig und unter anderem in der Vorabendfernsehserie DAS! zu sehen und im Radiosender NDR 2 bei Tietjen talkt zu hören. Gern lasse ich mir später berichten, wie die leidenschaftliche Camperin ihre Leser und Zuhörer unterhalten hat.

Wer noch keine Karte hat: Bettina Tietjen ist Gast der Buchhandlung Leuenhagen und Paris. Veranstaltungsort ist an diesem Tag die Apostelkirche.


Und nun habe ich als Special noch einen Hinweis:

Viele haben mich gefragt, wann Rafik Schami denn mal wieder in Hannover sein wird. Noch in diesem Monat - der genaue Tag ist noch nicht bekannt - wird seine Frau Root Leeb in Begleitung ihres Mannes auftreten. Im Moment warte ich selbst noch auf den genauen Termin. Sobald mir die genauen Daten bekannt sind, werde ich Euch selbstverständlich unterrichten. Gastgeber wird die Buchhandlung Leuenhagen und Paris sein.
Soviel kann ich aber auf jeden Fall schon einmal verraten: es geht bei dieser Lesung, bei diesem Event, um die Liebe.

Root Leeb ist Zeichnerin und Autorin und als Gestalterin der Bücher von Rafik Schami bekannt geworden. Ich drück mir jetzt schon die Daumen, dass ich an dem noch ausstehenden Termin Zeit habe.


Montag, 27. Mai 2019

Blutacker - Lorenz Stassen


Blutacker
Thriller
Heyne Verlag
erschienen am 12. November 2018
Autor: Lorenz Stassen
ISBN 978-3-453-43944-3
352 Seiten






Entstehung


Die Idee zu der Geschichte hatte Lorenz Stassen, Autor dieser Geschichte, bereits im September 2016. Ein Zeitungsartikel berichtete über die Versteigerung eines Ackers, dessen Erlös beinahe das Fünffache des eigentlichen Wertes betrug. Dabei handelte es sich nachweislich um ein Überschwemmungsgebiet im Schatten einer Raffinerie und nicht um Bauland. - Und damit um Stoff für eigene Ideen.








Handlung und Personen


Blutacker ist bereits der zweite Band einer Trilogie um den jungen Anwalt Nicholas Meller.
Nicholas Meller hat sich durch einen spektakulären Fall als Anwalt und Strafverteidiger einen Namen gemacht und konnte - bedingt durch seinen neuen Bekanntheitsgrad und steigender Umsätze - seine Kanzlei in die Kölner Innenstadt verlegen. Die Anfänge dieser steilen Karriere und wie es zu der Wandlung seiner Lebensumstände kam, sind in Angstmörder, dem ersten Band, zu finden.

Unterstützt wird Nicholas Meller von seiner Referendarin und mittlerweile Lebensgefährtin Nina Vonhoegen. Nina Vonhoegen leidet von Geburt an unter Dismelie, einer Fehlbildung, und seit dem letzten Fall auch unter Albträumen.

Für den neuesten Fall kommt Nicholas Meller sein russischer Hintergrund zugute: sein Auftraggeber entstammt dem deutschen Adel und möchte einen Freund aus dem russischen Gefängnis zurück nach Deutschland holen. Zur gleichen Zeit wird ein Paketbote ermordet und ein Paket entwendet. Ein Paket, adressiert an Nicholas Meller.


Meine Meinung


Der Schreibstil ist atemberaubend spannend und umgangssprachlich gehalten. In den feinen Kreisen, wie in den gewöhnlichen, herrscht ein normaler Ton.
Der Spannungsbogen wird durchweg gehalten und immer mal wieder durch außergewöhnliche, dabei menschlich nachvollziehbare, Begebenheiten gelockert.

"Das war das Problem mit diesen Typen in ihren teuren Anzügen. Zivilisten." - Seite 201

Dabei sind die Charaktere - Protagonisten wie Nebenfiguren - so vielschichtig und natürlich, dass es mich nicht wundern würde, dem einen oder anderen im wirklichen Leben zu begegnen.
Was die Geschichte für mich besonders macht, ist die Kunst, diese so zu erzählen, dass ich beim Lesen das Gefühl habe, am Geschehen teilzunehmen. Dieser sogenannte "Wirklichkeitseffekt" hat mich nachhaltig beeindruckt.

"Dass Justitia blind war, sah man an grünbraunen Bodenfliesen, die sich mit braunrotem Teppichboden abwechselten." - Seite 250

Ebenso beeindruckt hat mich die Geschichte von Nina Vonhoegen. Eine junge, bildhübsche, gescheite Frau mit einer Behinderung. Von Geburt an fehlt ihr der rechte Arm. Wie sie damit zurecht kommt und ihr Leben meistert, wird in dem Buch ganz natürlich, wie nebenbei, erwähnt.

Dabei ist die Geschichte fiktiv - auch die Personen darin.


Fazit


Wer, wie ich, ein Faible für spannungsgeladene Thriller hat, dem kann ich Blutacker ans Herz legen.

Ich freue mich bereits heute auf Opferfluss, dem dritten Band der Trilogie. Dieser erscheint voraussichtlich am 10. Februar 2020 und wird 400 Seiten umfassen.


Bonus


Wer nun Lust bekommen hat, mit dem ersten Band der Trilogie durchzustarten und mehr über den Autor und die Entstehung der Geschichte erfahren möchte, dem empfehle ich meinen Artikel über die Lesung von Lorenz Stassen zu Angstmörder.




Samstag, 25. Mai 2019

Was du nicht willst das man dir tu - C. Rimmeck


Was du nicht willst das man dir tu
Thriller
Autor: C. Rimmeck
ISBN 978-3-9820304-0-1
427 Seiten



C. Rimmeck - Was du nicht willst das man dir tu

Was du nicht willst das man dir tu 

Ich war sehr gespannt, wie sich der Titel des Buches zum Inhalt verhält.
Schließlich sollte dieser Satz - hier Halbsatz - ja dafür stehen, freundlich anderen Menschen gegenüber zu sein. 







Was du nicht willst das man dir tu ist der Auftakt einer Reihe, in der es um die beiden Protagonisten, dem Kommissar Martin Holz und seiner Kollegin Corinna Weidlich geht.

Martin Holz ist der Star unter den ermittelnden Beamten - bis zu dem Tag, an dem er beinahe seine ganze Familie verlor. Nun lebt er allein mit seiner Tochter Isabel. Seine Frau und seine anderen beiden Töchter sind ums Leben gekommen. Martin Holz versucht sein Gehirn mit Alkohol zu betäuben um möglichst zu vergessen. Darüber vergisst er auch, sich um seine überlebende Tochter Isabel zu kümmern und vernachlässigt seinen Dienst. 

Corinna Weidlich ist neu in der Stadt und wird Martin Holz zugeteilt. Corinna Weidlich fügt sich in die Situation, lässt sich aber von Martin Holz weder ausbooten noch in ihrer Arbeit behindern. Dass sie sich von anderen nicht beeindrucken lässt, sondern ihren eigenen Vorgaben folgt, hat sie auf ihrer letzten Dienststelle unter Beweis gestellt: dort hat sie ihren Partner an die Interne "verpfiffen". 

Dieses ungleich wirkende, junge Ermittlerteam wird daraufhin losgeschickt, um die Daten und Fakten einer vermeintlichen Selbsttötung zu sichern und zu dokumentieren. 



Der Anfang der Geschichte lässt sich bereits leicht lesen. Die Charaktere lerne ich kennen, ohne dass sie gleich all ihre Besonderheiten preisgeben. Die charakterlichen Eigenschaften sind klar zu erkennen und die Personen grenzen sich gut gegeneinander ab. 

Und mir gefällt der Schreibstil. Diese schockierende Offenheit, die Möglichkeiten, sich selbst die Begebenheiten gedanklich zu gestalten, indem einiges auch offengelassen wird und diese frappierenden Schilderungen, die mich immer wieder auflachen lassen. 


"Der Stuhl, in dem Port saß, knarrte böse wie ein Hund im Halbschlaf." - Seite 44 



Ich habe viel Spaß beim Lesen und bin dabei stets sehr gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Vor allem zwischen Martin Holz und Corinna Weidlich. Sie bringt da ja schon eine Saite in ihm zum Klingen. Sehr amüsant. 

Zudem ist es knifflig, und die Geschichte regt zum Mitermitteln an. Habe ich gerade noch jemanden in Verdacht, der Täter zu sein, wird mit dem nächsten Satz schon meine Idee erschüttert und mir kommen Zweifel.
Die Spannung wird jedenfalls durchweg gehalten und ich verfolge mit großem Interesse das Geschehen. 

Der Spannungsaufbau ist dabei zum Teil so enorm, dass selbst ich mir beim Lesen nicht sicher war, ob ich die nachfolgend beschriebenen Geschehnisse aushalte. Die Neugier war jedoch stärker und nun kann ich diesen außergewöhnlichen Thriller weiterempfehlen. 

Und nun bin ich sehr gespannt, wie es mit dem Ermittlerteam weiter geht.








Samstag, 18. Mai 2019

Alte Sorten - Ewald Arenz


Alte Sorten
Roman
DuMont Buchverlag
Erscheinungstag: 18. März 2019
Autor: Ewald Arenz
ISBN 978-3-8321-8448-3
256 Seiten



Alte Sorten - wenn es nach dem Autoren gegangen wäre, so hätte das Buch Oktoberland heißen sollen. - Vermutlich, weil sich im Oktober die Stärke dieser beiden Frauen, um die es in dieser Geschichte geht, vollends entfalten und auf die jeweils andere übertragen kann. Beide sind mit einer Kraft ausgestattet, die man sonst in der Natur findet - wunderschön und von innen heraus.
Zeitlich spielt das Geschehen in diesem Roman im September und Oktober und umfasst einen Zeitraum von anderthalb Monaten. Einige Rückblenden auf das vorherige Leben werden eingewoben und ermöglichen auf diese Weise, die Protagonisten besser kennenzulernen.
Die beiden Frauen sind zwar unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters, doch ihre Sehnsucht nach Freiheit, dem Bedürfnis der eigenen Wünsche und der Liebe - vor allem der mangelnden - das haben sie gemein.



Sally ist 17 Jahre alt und bricht aus. Sie bricht aus, aus einem Leben, das sie nicht mehr aushält. Einem Leben nach einem Muster, das nicht zu ihr passt. Eines, das ihre Eltern ihr aussuchen. Doch das ist nicht Sally. So entflieht sie ihrem Elternhaus und trifft auf Liss.

Liss wollte einst fliehen. Strukturen, die nicht zu ihr passen, aufgezwungen durch ihr Elternhaus - und doch ist sie noch da. Da, wo sie als Kind einst lebte. Dort bewirtschaftet sie ihren Hof, Felder - scheinbar allein. Doch auch, wenn sie ziemlich verschlossen und wortkarg wirkt, braucht sie doch manchmal Hilfe. Und so spricht sie Sally an, als diese am Wegesrand auf sie trifft.

Da ist ein Erkennen, ein sich-vorsichtig-aus-dem-Weg-gehen und auch ein Verständnis zwischen den beiden Frauen - ohne Fragen mit Antworten, die einfach akzeptiert werden. Ohne große Worte.

Die Schlichtheit im Schreibstil, die klaren Worte in den schnörkellosen Sätzen - manchmal sind diese Sätze lediglich ein Wort kurz - machen den Reiz der Geschichte nur größer.

Alte Sorten ist ein Buch, dass man genießen kann. Es verwöhnt mit dieser ruhigen Stimmung, die heimelig wirkt und einen Willkommen heißt. Die Darstellung der Arbeitsabläufe bei der Ernte, die Beschreibung des Handwerkzeugs und die Schilderung der Beschaffenheit von dem Obst und der Natur rundherum wirken sehr eindrücklich auf mich. Ewald Arenz beschreibt beispielsweise die Früchte an den unterschiedlichen Birnenbäumen so nachhaltig, dass ich die Bilder wie aus der eigenen Erinnerung abrufen kann.

Ein ruhiges Buch, eine Geschichte um zwei starke Frauen, über Strukturen, die das Leben nicht braucht, weil es das Leben einschränkt. Ein Buch, dass ich sehr gern weiterempfehle. Eine Geschichte, die darstellt, dass trotz bitterer Wut und Verwundungen, die einem das Leben zufügt, das Leben auch Glück sein kann.