Freitag, 13. Mai 2022

Artemis - Charlotte Charonne


Artemis
Thriller
edition Krimi
Autorin: Charlotte Charonne
434 Seiten
ISBN 978-3-948972-59-2



Artemis ist der zweite Band aus der Reihe um Rubina Hiller und Simon Peick, kurz Ruby und Spike

Der lockere und zugleich malerische Erzählstil ist das Besondere an der Thriller-Reihe von Charlotte Charonne. Mit ihrer Art die vor allem zwischenmenschlichen Begebenheiten zu schildern, bringt sie mich zum Lachen. Diese kurzen Entspannungsmomente sind für mich - bei all der Spannung in der Geschichte - immens wichtig. Der Spannungsbogen wird in Artemis extrem hoch gehalten.



Die Geschichte schreitet zügig voran und nebenbei lerne ich das Privatleben von Ruby und Spike näher kennen. Bei all der Arbeit, die der neue Fall mit sich bringt, haben die Beiden alle Hände voll zu tun und müssen ihre Gedanken stets auf das aktuelle Geschehen richten. 

Artemis kann man wunderbar auch ohne Kenntnis des Vorgängerbands Asklepios lesen. Dem Verlauf der Privatleben der beiden Ermittler und der Charaktere rundherum folge ich jedoch lieber von Anfang an. 

Charlotte Charonne nimmt sich in diesem Fall der Göttin Artemis an. Artemis ist die Hüterin der Frauen und Kinder, die Göttin der Jagd, des Waldes, der Geburt und des Mondes. Und was Artemis, kurz Emi, wirklich wichtig ist, wird in diesem Buch Wirklichkeit. 


"Die Entscheidung, was mit den Männern geschehen sollte, war ihr leichtgefallen. Es musste verhindert werden, dass sie ihre Tat wiederholten. Sie stellten eine Gefahr dar - nicht nur für die Frauen ihrer Familie, sondern für alle." - Seite 40


Damit meinte sie die Männer, die Frauen gegenüber übergriffig wurden. Ist es Zufall, dass nach und nach die Tatverdächtigen einer brutalen Vergewaltigung an einem Mädchen mit Verstümmelungen ins Krankenhaus kommen? Und was war zuerst bekannt? Die Vermutung der Straftat? Oder die Verstümmelung der vermeintlichen Täter? Ruby und Spike befinden sich auf der Jagd nach nicht nur einem Täter. 

Ich habe jede Zeile dieses Thrillers genossen. Der witzige, charmante Schreibstil gepaart mit der temporeichen Jagd nach den Tätern ließ keine Wünsche offen. - Außer dem Wunsch nach einem dritten Band. 


Fazit

Artemis ist für alle, die temporeiche Thriller mögen und eine anekdotische Schreibweise genießen können.

Samstag, 7. Mai 2022

Die Wut, die bleibt - Mareike Fallwickl


Die Wut, die bleibt
Roman
Argon Hörbuch
Autorin: Mareike Fallwickl
Sprecherinnen: Marie-Isabel Walke, Ulrike Kapfer
Download / Streaming
Laufzeit: 10 Stunden 50 Minuten 
ISBN 978-3-7324-5831-8
erschienen am 22. März 2022





Die Wut, die bleibt erzählt die Geschichte von Helene. Und wie Helene daran zerbricht Mutter zu sein. Nie allein zu sein. Nie sie selbst zu sein. Nie ihre Zuständigkeit und Verantwortung als Hausfrau und Mutter abgeben zu können. Nie Hilfe zu erhalten - sei es geforderte oder stumm erbetene. Und daran, wie unser System, in dem wir aufgewachsen sind, auch keine wirkliche Hilfe bei all den Herausforderungen ist. 





Helene ist eine typische junge Frau mit all ihren Wünschen, Hoffnungen, mit ihrer Lebenslust und dann wird sie Mutter. Sie bleibt alleinerziehend mit ihrer Tochter Lola zurück, während der Vater der Tochter weiterzieht, ins Ausland geht und in seinem Traumjob arbeitet.

Für Helenes Traumjob bleibt kein Platz. Stattdessen lernt sie ihren Mann Johannes kennen, bekommt mit ihm zwei weitere Kinder - und Johannes geht arbeiten. Helene bleibt zurück, kümmert sich um den Haushalt, die Kinder, das Essen, die Kita-Termine, die Schultermine, ihre pubertierende Tochter Lola und wird von ihrer Jugendfreundin Sarah abwechselnd belächelt und beneidet. Sarah lebt allein in einem großen Haus. Kein Partner, keine Erfüllung ihres Kinderwunsches - nur eine Katze und ein Tinderdate, das sich bei ihr eingenistet hat. 

Als Helene eines Abends vom Abendbrottisch aufsteht, auf den Balkon geht und ohne sich noch einmal umzudrehen springt, bleibt ein Teil einer stummen, fassungslosen und unselbstständigen Familie zurück. Nur Lola gibt Laut. Lola teilt ihre feministischen Gedanken mit ihrer Schulfreundin Sunny und teilt auch ordentlich gegen Sarah aus. Sarah, die sich Lolas Meinung nach viel zu viel von den Männern gefallen lässt. Weil es unbequem ist, weil es Arbeit macht, weil sie es ohnehin so gewohnt ist. Doch, wer soll diesen Männern Einhalt gebieten? 

Das Hörbuch ist im Wechsel von Marie-Isabel Walke und Ulrike Kapfer gesprochen, die sehr charakteristisch die Erzählebenen von Sarah und Lola betonen. Lolas Stimme ist laut und kämpferisch. Die Stimme einer jungen Rebellin, die das Leben verändern möchte. Nichts akzeptieren möchte. Die Stimme von Sarah ist sanfter. Die Stimme einer Frau, die schon einiges erlebt hat, die resigniert, die ihren Kampfgeist und ihre Freundin vermisst. Die sich fragt, warum sie nicht gehandelt hat und trotzdem nicht handelt. 

Was von dieser Geschichte bleibt, ist diese unfassbare Wut. Die Wut, die bleibt zeigt ganz klar die Problematik auf, die wir in der Gesellschaft haben. Männer, die sich ihre Rechte nehmen und Frauen, die nicht für ihre Rechte einstehen. Männer, die letztendlich zu Männern halten und Frauen, die nicht zu Frauen stehen. 

Ich finde es krank, dass Frauen beigebracht wird, wie sie sich verteidigen können, statt Männern beizubringen, dass sie sich an Frauen nicht zu vergehen haben - und an Männern auch nicht. 

Die Wut, die bleibt zeigt auf, wie es um die gesellschaftliche Stellung der Frau steht. Die Aufgaben in der Familie, in der Care-Arbeit. Und die mangelnde Wertschätzung und fehlende Unterstützung. 

Die Wut, die bleibt ist auch eine Mahnung, wie das Zusammenleben in eine gewalttätige Schieflage geraten kann. 

Ich habe die Geschichte sehr gern gehört und empfehle sie weiter. 


Fazit

Die Wut, die bleibt ist ein Buch, das das gesellschaftliche Leben verbildlicht zusammenfasst. 

Die Wut, die bleibt ist eine Geschichte, die jeder gelesen haben sollte. Mit wachem Verstand, Mut zur Veränderung und Kraft zur Durchsetzung. Nicht durch Gewalt, sondern durch Regeln und Wertschätzung. 



Sonntag, 1. Mai 2022

Butter - Asako Yuzuki

 

Butter
Roman
aufbau audio
Autorin: Asako Yuzuki
aus dem Japanischen: Ursula Gräfe
Sprecherin: Madiha Kelling Bergner
Hörbuch, ungekürzt
Dauer 13 Stunden 35 Minuten
ISBN 978-3-961056811
erschienen am 29. April 2022





Butter erzählt die Geschichte der Frauen Japans im Einklang mit Genuss und der Notwendigkeit, dem Schönheitsideal zu entsprechen. Dem Schönheitsideal von Frauen und Männern. Denn eine Frau, die über ein paar Gramm zu viel verfügt, gilt in der Gesellschaft sogleich als eine Frau, die "sich gehen lässt" und "nicht auf sich achtet". Doch ist das so? 




Die Autorin Asako Yuzuki greift in Butter auf die Geschichte einer Frau zurück, die vor etwa zehn Jahren inhaftiert wurde. Eine Frau, die übergewichtig ist und als unattraktiv gilt und an dem Tod mehrerer Männer zur Verantwortung gezogen werden soll. - Ein Urteil wurde bislang nicht vollstreckt. 

Asako Yuzuki gibt ihrer Akteurin den Namen Manako Kajii. Manako Kajii ist Foodbloggerin und hat der Anklage zufolge den Tod mehrerer Männer zu verantworten. Sie ist übergewichtig, unattraktiv und kocht für ihr Leben gern. Gutes Essen gehört bei ihr zum Leben dazu. Darauf hat sie ihr Dasein ausgerichtet. Und darauf, älteren Männern ein genussvolles Leben zu bieten. - Doch nur für kurze Zeit. 

Der "Fall" Manako Kajii sorgt in der Bevölkerung und damit auch bei der Presse für große Aufmerksamkeit. Manako Kajii bleibt jedoch hartnäckig und gibt keinerlei Interviews. 

Die Reporterin Rika schafft es jedoch, sich über entsprechend formulierte Briefe Zugang zu Manako Kajii zu verschaffen. Rikas Freundin Reiko hat ihr, getreu dem Motto "mit Speck fängt man Mäusen" geraten, Manako über ihre Leidenschaft - das Essen- zu befragen. 

Und so treffen die spannenden Themen "Mordserie in Tokio", "Gourmet Lifestyle Blog" und "Schönheitsideal japanischer Frauen" aufeinander. Während Manako dick und unattraktiv ist, ist an Rika nicht ein Gramm zu viel. Über die französische Küche und Rezeptideen von Madame Pompadour nähern sich Rika und Manako an. Und so gerät Rika immer mehr in den Strudel von zerlassener Butter und Manakos Einfluss. 

Obwohl ich wohlschmeckenden Speisen nicht abgeneigt bin, so ist mir doch der opulente Schreibstil beim Beschreiben der Kochkünste und köstlichen Zutaten zu viel des Guten. 

Die Geschichte ist so ausladend, wie die Hüften von Manako und so geschmeidig in der Ausdrucksweise wie zerlassene Butter. Die Gerichte und das Schönheitsideal der Frauen werden durchexerziert, so dass auch die voranschreitende Weiterentwicklung der Charaktere keine Spannung mehr erzeugen kann.

Ich hätte mir mehr Spannung aufgrund der Mordserie gewünscht, oder tolle Rezepte. Auch die Freundschaft zwischen Rika und Reiko bringt zwar zunächst etwas Leben in die Geschichte, schwelt dann aber vor sich hin. Irgendwie blieb all das mir in dieser Geschichte Versprochene auf der Strecke. Dabei hatte ich bei Hörbuchbeginn gar keine großen Erwartungen. Diese wurden erst im Laufe der Geschichte geschürt - um dann zu vergehen. Wie sprudelndes Wasser, das am Ende verdampft. 

Ein großes Kompliment an die Hörbuchsprecherin Madhia Kelling Bergner, die mich - trotz der Längen in der Geschichte und des opulenten Schreibstils - bis zum Ende der Geschichte mit ihrer Stimme gut unterhalten hat. 


Fazit

Butter ist für alle, die philosophische Leseerlebnisse mit zuckrig, buttrigen Ergüssen bei Essensbeschreibungen der japanischen Küche genießen können. 


Bonus

In einem Interview mit der Lektorin Friederike Schilbach auf der Seite vom Aufbau Verlag verrät die Übersetzerin Ursula Gräfe, warum sich Butter zu lesen lohnt.

Samstag, 23. April 2022

Wo die Wölfe sind - Charlotte McConaghy


Wo die Wölfe sind
Roman - Argon edition
Argon Hörbuch
Buchvorlage: S. Fischer Verlag
Autorin: Charlotte McConaghy
Sprecherin: Eva Meckbach
Laufzeit 11 Stunden 15 Minuten
2 MP3 CDs
ISBN 978-3-8398-1965-4 





Wo die Wölfe sind erzählt die Geschichte der jungen Biologin Inti Flynn. Inti Flynn hat sich innerlich von den Menschen zurückgezogen. Ihre Aufmerksamkeit schenkt sie ganz der Natur und den Wölfen. Inti Flynn ist mit einem Team aus Wissenschaftlern in Schottland um dort Wölfe anzusiedeln damit die Natur wieder in Einklang gerät. Es ist schon seltsam, dass die Menschen lieber Bäume pflanzen, statt den Baumbestand auf natürlichem Weg zu erhalten, denke ich während ich den Verlauf der Geschichte verfolge. 



Inti Flynn muss sehr gut auf sich und "ihre" Wölfe acht geben, denn die Bewohner sind nicht gerade erfreut darüber, dass der Wolf - seit einigen Jahren glücklich losgeworden - nun wieder in der Gegend ist und eine mögliche Bedrohung für die Menschen dort und das Vieh darstellt. Inti geht sehr behutsam mit den Menschen und den Wölfen um, setzt jedoch ihre Forderung auf ein gemeinsames Lebensziel durch.

Beeindruckt hat mich Inti Flynn auf mehreren Ebenen. Inti ist sehr sensibel und erlebt aufgrund ihrer Spiegel-Berührungs-Synästhesie (Mirror-Touch-Synesthesia) die visuell erlebten Berührungen anderer Lebewesen am eigenen Körper. Wird also einer Person oder einem Tier ein Schmerz vor ihren Augen zugeführt, so spürt sie ihn am eigenen Leib. Mit dieser Form der Wahrnehmung führt sie ein bereicherndes und emotional sehr forderndes Leben, das ihr viel Kraft abverlangt. 


"Es ist so viel einfacher, als die meisten Leute es sich vorstellen", setzt Misses Doyle noch hinzu. "Aber es stimmt schon", räumt sie nach einer kurzen Pause ein, "Veränderung macht vielen auch  Angst. Und wenn man sein Herz dafür öffnet, die Natur  wieder wilder werden zu lassen, öffnet man sein Herz natürlich auch dafür selbst wilder zu werden." - Section 139


Charlotte McConaghy erzählt die Geschichte von Inti Flynn mit einer Wärme und Liebe zur Natur, zu den Charakteren und einer Hoffnung darauf, dass beide im Einklang werden stehen können. Charlotte McConaghy hat selbst eine schwächere Form der Synästhesie, die ihr Gedächtnis so funktionieren lässt, dass sie Wörter, Zahlen oder Töne mit Farbe, Form und Textur verknüpft. 

Beim Hören der Geschichte um Inti Flynn habe ich den Eindruck, dass die Worte mit Farben und musikalischem Klang gesprochen werden. Es ist ein großartiges Hörerlebnis, das ich jedem Menschen ans Herz legen möchte, der über große Empathie und Liebe zur Natur verfügt. 

Genau das ist es, was mich an der Geschichte berührt: Empathie und ihre Abwesenheit. 

Inti Flynn macht in Wo die Wölfe sind eine immense Entwicklung durch. Und Charlotte McConaghy sorgt mit ihrer farbgewaltigen Erzählung dafür, dass ich sie so gut nachempfinden kann. 

Vielleicht liegt es daran, dass Charlotte McConaghy in Irland geboren ist und sie allein schon deshalb ein "grünes Herz" hat. Vielleicht kommt ihr auch die schwache Form der Synästhesie zugute. Wo die Wölfe sind hat für mich jedenfalls beim Hören ein Gefühl von Farbbrillanz hervorgerufen.

Eva Meckbach liest die Geschichte voller Wärme, Empathie und Hoffnung, so dass ich Inti Flynn nicht nur gedanklich sondern auch akustisch nahe bin. 

Inti Flynn ist absolut authentisch in ihren Handlungen, ihren Äußerungen, der Art ihrer Wortwahl. Das wird durch die Stimme von Eva Meckbach sehr gut unterstrichen. 

Überhaupt sind die Charaktere in Wo die Wölfe sind in ihren Handlungen und Äußerungen authentisch und gut voneinander zu unterscheiden. Sie sind vielschichtig, haben verschiedene Denkweisen, sind so unterschiedlich und dennoch gleich. 

Ich hatte viel Freude beim Hören des Hörbuchs. Die Geschichte um Inti Flynn hat mir sehr gefallen und mich berührt. 


"Niemand kann Vertrauen erwidern, wenn man ihm keines schenkt." - Section 174


Fazit

Wo die Wölfe sind ist ein großartiges Hörerlebnis, das ich jedem Menschen ans Herz legen möchte, der über große Empathie und Liebe zur Natur verfügt.


Bonus

Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, dem empfehle ich das Interview hier von EcoLit Books mit Charlotte McConaghy. Viel Spaß beim Lesen! 



Quellen: 
EcoLit Books Interview mit Charlotte McConaghy 
Synästhesie - Wikipedia

Samstag, 16. April 2022

Die Frauen aus der Mulberry Lane - Rosie Clarke


Die Frauen aus der Mulberry Lane
Roman
aufbau audio
Hörbuch
Autorin: Rosie Clarke
gelesen von Rebecca Madita Hundt
Spielzeit: 11 Stunden 17 Minuten
ISBN 978-3-961-056224




Die Frauen aus der Mulberry Lane erzählt die Geschichten von drei Frauen im Jahr 1938 in London. 

Die Atmosphäre, die bei der Erzählung geschaffen wird, hat eher Dorfcharakter, als dass ich die Geschichte im belebten London vermuten würde. Die Frauen ähneln sich in ihrer Untergeordnetheit. Denn keine der drei bricht aus ihrem Leben aus oder setzt sich dem Hausherrn gegenüber mit Nachdruck durch. 



Auch die Männer weisen Parallelen auf. Die Hausherren wollen den Ton angeben, die jungen Herren wollen in den Krieg ziehen und nicht nur von zu Hause aus kriegswerten Dienst leisten. 

Ich lerne die 23jährige Maureen kennen, die sich nach dem Tod der Mutter von ihrem Herrn Vater drangsalieren lässt und dafür den Haushalt und das Geschäft führt. 

Maureen hat mit ihrer sanftmütigen Art und ihrem großen Herz schnell auch mein Herz gewonnen. Wenn Hilfe nötig ist, erwirbt sie die eigenen Waren zum Einkaufspreis und verschenkt sie an hilfebedürftige Menschen in der Nachbarschaft. 

Peggy ist die treibende Kraft im  Pub in der Mulberry Lane. Sie hat das Herz am rechten Fleck und einen Ehemann, der noch unter dem letzten Krieg zu leiden hat. Peggy ist Mitte 50 und hat eine 17jährige Tochter namens Janet und einen Sohn namens Pipp

Momentan hängt der Haussegen schief, denn die noch minderjährige Tochter möchte unbedingt ihre große Liebe Mike heiraten - bevor dieser in den Krieg ziehen wird. 

Und damit stelle ich Euch die dritte im Bunde vor: Janet. Denn diese will sich mit dem "Nein" ihres Vaters Laurence so gar nicht zufrieden geben. 

Die Geschichte ist in einem lockeren, angenehmen Erzählstil verfasst. Aus der Ferne Londons wirkt der zweite Weltkrieg recht beschaulich, auch wenn Opfer zu beklagen sind. 

Da sich Männer wie Frauen in ihrer Handlungsweise untereinander sehr ähneln, verschwimmen die Charaktere leider im Verlauf der Erzählung und ich kann manches Mal nicht auf Anhieb zuordnen, zu welcher Person das Geschehen gerade voranschreitet. 

Rebecca Madita Hundt verleiht der Geschichte ihre eher sanfte Stimme. Zum Geschehen wirkt sie sehr stimmig. Bei den etwas raubeinigen Entgegnungen entlockt sie mir damit ein Schmunzeln. 

Besonders hervorheben möchte ich ihre Betonung beim A-Umlaut, dem Ä. Die Betonung ist sehr auffällig und weicht vom üblichen Klangbild, das sonst eher nach E klingt ab.  

Für die Geschichte hätte ich mir eine klarere Trennung bei der Erzählung der einzelnen Charaktere gewünscht. Vielleicht ist das im geschriebenen Buch ja auch durch jeweilige Namensüberschriften kenntlich gemacht, um mir als Leser ein Zurechtfinden zu erleichtern. Durch die Ähnlichkeiten und dadurch, dass es nicht nur einen Hauptcharakter gibt, fehlt mir ein inniger Bezug, der ein Leseerlebnis für mich jedes Mal so besonders macht.  


Fazit

Die Frauen aus der Mulberry Lane ist für alle, die mit angenehmer Erzählstimme die familiären und freundschaftlichen Bande dreier Frauen in beschaulicher Atmosphäre erleben wollen.

Samstag, 9. April 2022

Fische, die auf Bäume klettern - Sebastian Fitzek


Fische, die auf Bäume klettern
Ein Kompass für das große Abenteuer namens Leben
Sachbuch
Droemer Verlag
Autor: Sebastian Fitzek
ISBN 978-3-426-27782-9
258  Seiten 




Fische, die auf Bäume klettern ist kein typisches Sachbuch - auch wenn es der Kategorie durchaus zuzuordnen ist. 

Vielmehr ist Fische, die auf Bäume klettern eine Gedankensammlung von Sebastian Fitzek über das Leben. Über sein Leben. Es sind Gedanken, die er seinen Kindern mit auf den Weg geben möchte. Gedanken, die Sebastian Fitzek selbst verdeutlichen, welche Erkenntnisse er in seinem Leben gewonnen hat und welche Empfehlungen er seinen Kindern zur Selbstausrichtung geben kann. 




Um den Druck etwas zu erhöhen und damit Sebastian Fitzek sich nicht selbst austricksen kann, hat er seine Gedanken dazu veröffentlicht. Und eben, weil er es durch seinen Bekanntheitsgrad kann. 

Fische, die auf Bäume klettern ist kein Wegweiser, sondern ein Kompass, der seine Kinder und seine Leserinnen und Leser dazu ermuntern soll, sich nach sich selbst auszurichten. Zu gucken, wo liegen die eigenen Stärken und wie setze ich sie am besten ein. Und sich vor allem nicht durch ein Scheitern verunsichern oder beeindrucken zu lassen. 

Die Werte und Erfahrungen, die Sebstastian Fitzek seinen Kindern und seinen Leserinnen und Lesern mit auf den Weg gibt, kann ich allesamt so unterschreiben. Viele Lehren habe ich selbst gezogen, viele Erfahrungen selbst sammeln oder im nahen Umkreis erleben dürfen. 

Sebastian Fitzek schildert den Umgang mit Gefühlen wie Neid und Begehren und wie wichtig es ist, unterscheiden zu können, ob das Gefühl einem bloßen "haben wollen" unterliegt oder ob da tatsächlich größere Gefühle vorhanden sind. 

Das Buch ist in achtzehn Kapitel unterteilt, in denen immer durch persönliche Erlebnisse die eigenen Erfahrungen einfließen. 


"Und da er, der Beliebte, mein Freund wurde, färbte das auf die Herde der Mitschüler ab, die mich bis dahin nicht mal hatten ignorieren wollen." - Seite 127


Die wichtigen Informationen aus seinen Lehren hat Sebastian Fitzek für mich als Leser optisch hervorgehoben. Auch wenn mir der Plauderton insgesamt gefällt, hätte ich mir die eine oder andere Anpassung für die Außenwelt gewünscht. - Das war aber verschwindend selten der Fall.

Dafür erfahre ich an ein, zwei, drei Stellen im Buch auch etwas über die Kinder. Für diese hat Sebastian Fitzek ja schließlich seine Gedanken niedergeschrieben. - Und um selbst seine Gedanken zu ordnen.  


Fazit

Fische, die auf Bäume klettern ist für alle, die im lockeren Plauderton animiert werden wollen, das eigene Leben zu betrachten und zu schauen, ob man nicht der Fisch ist, der auf einen Baum klettern kann.


Samstag, 2. April 2022

Die Seele eines Spukhauses - Helena Gässler


Die Seele eines Spukhauses
Fantasy - Steam-Punk
Drachenmond Verlag
Autorin: Helena Gässler
Umschlagdesign: Marie Graßhoff
ISBN 978-3-95991-773-5
290 Seiten 





Die Seele eines Spukhauses hat mich auf den ersten Seiten bereits mitten ins Geschehen transportiert. Miss Magnolia Feyler trifft mit mir gemeinsam an einem regnerischen Oktobertag im Jahr 1862 in Brixton ein. Ich kann mir die kleine Stadt bildlich vorstellen. Die staubigen Straßen, die flackernden Lichter und die Ruhe, die die verlassen wirkenden Straßen suggerieren. 





Miss Feyler ist als Exorzistin nach Brixton gerufen worden. Ihr junger Kollege Jeremy Lee gilt als verschollen und Magnolia soll nun dem Spukhaus die Geister austreiben. Magnolia hat allerdings ihre ganz eigenen Methoden und nennt sich lieber Häuserflüsterin statt Exorzistin. Magnolia geht sehr rücksichtsvoll mit den Häusern und dessen geisterhaften Bewohnern um. Das mag ich besonders an Magnolia. Ihr rücksichtsvolles Verhalten. Magnolia meldet sich beim Haus an, erzählt was sie zu tun gedenkt und führt es dann durch. So weiß das Haus woran es bei Magnolia ist. 

Schon der Name des Spukhauses lässt mir einen Schauder über den Rücken laufen: Shaw Manor. Der Name klingt für mich geheimnisvoll und birgt einen Hauch Gefahr. 

Der Spannungsbogen wird über die Erzählung hinweg gehalten. Nach und nach lerne ich an der Seite von Magnolia die ehemaligen und jetzigen Bewohner von Shaw Manor kennen. Die Charaktere sind sehr individuell und ich kann sie leicht dem Namen nach zuordnen. Helena Gässler schreibt sehr bildhaft und eindrücklich. Ich habe stets den Eindruck, ich sehe die Begebenheiten durch ihre Augen, mit dem Blick des allwissenden Erzählers. 

Besonders gut gelungen finde ich die Verbindung zwischen großen Emotionen und der Entwicklung von Maschinen. Der Mensch als Bindeglied und Schöpfer. Im guten, wie im bösen Sinne. 

Die Seele eines Spukhauses lässt mich nicht nur in die tiefsten Abgründe der Mauern von Shaw Manor blicken, sondern auch in die seelischen Abgründe der Menschen. 




Beim Blick ins Buch fällt mir zudem die wundervolle Seitengestaltung auf. Zeichnungen von unterschiedlich großen Zahnrädern, Überschriften in Schreibschrift und ebenfalls durch Schreibschrift hervorgehobene Logbucheinträge machen das Buch zu einem wahren Lesefest. Das Buch ist ein Schatz in jedem Buchregal, in dem es ein Zuhause findet. 




Wer sich nun fragt, was denn ein Logbuch ist, dem erzähle ich gern, was ich erfahren durfte: Das Logbuch ist für Exorzisten der Anker des Verstandes und nur in Zeiten der Ruhe zu führen. Wo kämen wir denn sonst hin, wenn wir uns von den Geistern in die Irre und damit ins Verderben stürzen lassen würden? Auf keinen Fall zu einer Reinigung des Spukhauses. 


Fazit

Wer Die Seele eines Spukhauses liest, benötigt mitunter Nerven wie Drahtseile Die Geschichte ist so eindrücklich geschrieben, dass ich mich jederzeit nah am Geschehen fühlte.