Posts mit dem Label Goldmann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Goldmann werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 9. Februar 2024

Liar - Steve Cavanagh

 

Liar
Band 3 der Eddie-Flynn-Reihe
Thriller
Goldmann Verlag
Autor: Steve Cavanagh
übersetzt aus dem Englischen von Jörn Ingwersen
508 Seiten
ISBN 978-3-442-49400-2
Erscheinungsjahr: 2017
Deutsche Erstveröffentlichung: Mai 2023 





Liar ist der dritte Band der Eddie-Flynn-Reihe und kann unabhängig von den anderen Bänden gelesen werden. Liar verbindet zwei zeitliche Geschehen miteinander. Während der zurückliegende Part gezielt einige Informationen liefert, bin ich im aktuellen Geschehen mittendrin. Es geht Schlag auf Schlag und Eddie kann manches Mal kaum eins und eins zusammenzählen, da muss er schon parieren. 




Im Rückblick - da gebe ich ihm recht - sollte man öfter auf seinen Verstand als auf diese Stimme hören, die sagt "Und was ist, wenn wir es doch versuchen?". Und genau das macht Eddie Flynn so menschlich. Er hat seine Ecken und Kanten, wenn es um die Inhalte fremder Manteltaschen geht, kann er quasi zaubern und er ist ein ganz wunderbarer Strafverteidiger. 


"Ich hatte am Morgen feststellen müssen, dass meine Krankenversicherung nicht zahlte, wenn ich in ein brennendes Gebäude lief. Und da denken die Leute, Trickbetrüger wären hinterhältig." - Seite 159


Das weiß auch Leonard Howell. Schließlich kennen er und Eddie sich aus Kinder- und Jugendtagen. Und genau diese jugendlichen Qualitäten schätzt Lenny so sehr an seinem alten Freund. Denn das Spiel, das Leonard Howell zu spielen bereit ist, ist gefährlich, aussichtslos und muss unter allen Umständen gut ausgehen. 


"Worum er mich bat, hätte im Grunde meinen professionellen Suizid zur Folge. Kein Geld auf der Welt konnte mich dazu überreden, Ja zu sagen. "Ich mach´s", sagte ich." - Seite 68


Steve Cavanagh erzählt die Geschichte bildhaft und lenkt meinen Blick auf wichtige Details ohne sich darin zu verlieren. Zackig geht die Geschichte weiter. Steve Cavanagh erzählt in ultrakurzen Kapiteln, so dass ich immer noch eins und noch eins und noch eins lesen möchte, weil das Geschehen spannend erzählt ist. Selbst während der Gerichtsverhandlung kommt keine Langeweile auf. Da gilt es die Geschworenen zu beachten oder einen Blick auf das Publikum zu werfen oder das Augenmerk auf die direkte Verhandlung und Fragestellung zu lenken. 

Absolut authentisch übersetzt ist der Roman von Jörn Ingwersen, der selbst Autor ist. An zwei Stellen habe ich beim Lesen gestockt. Da hieß es "... meinen Hinterkopf vom Sitz schälen ..." und "Der Charger fraß die Meilen.". Wobei es sich bei dem Charger um ein Fahrzeug handelt. Die Wortwahl hat meinen Lesefluss gehemmt, obwohl über die Sache an sich Klarheit herrscht. Nur, wenn ich mich aus dem Sitz schäle habe ich ein ganz anderes Bild vor Augen, als wenn ich meinen Hinterkopf vom Sitz schäle. 

Auch mit den zwei Stopps ist Liar ein wahres Lesevergnügen. Ehrlich gesagt: Liar zu lesen war mir ein Fest. Ich freue mich schon sehr auf einen weiteren Fall mit Eddie Flynn


Fazit

Liar ist für alle, die äußerst spannend erzählte Thriller lieben und für alle Fans von Eddie Flynn.


Bonus

Hier ist für euch die Eddie Flynn Reihe in der richtigen Reihenfolge:

0.5 The Cross - bislang nicht in deutscher Übersetzung

Band 1 : Zu wenig Zeit zum Sterben (The Defence) - ET 18. Januar 2023

Band 2 : Gegen alle Regeln (The Plea) - ET 22. März 2023

Band 3 : Liar (The Liar) - ET 17. Mai 2023

Band 4 : Th1rt3en (Th1rt3en) - ET 10. Januar 2022

Band 5 : Fifty-Fifty (Fifty-Fifty) - ET 30. November 2022

Band 6 : Seven Days (The Devils Advocate) - ET 17. Januar 2024

Band 7 : The Accomplice - bisher nicht in deutscher Übersetzung 


Sonntag, 30. Juli 2023

Sterne über Siena - Claudia Winter

 

Sterne über Siena
Roman
Goldmann Verlag
Autorin: Claudia Winter
480 Seiten
ISBN 978-3-442-49346-3
erschienen am 21. Juni 2023






Sterne über Siena ist die Geschichte von Emilia, liebevoll Em genannt. So warmherzig, wie ihr Name klingt, wächst Emilia jedoch nicht auf. Als Heranwachsende verliert sie ihren Bruder Matteo. Die ganze Familie befindet sich seitdem im Ausnahmezustand. Und dieser Ausnahmezustand hält bis in Emilias Erwachsenenalter an. 




Emilia lernt in ihrer Kindheit vor allem, undurchdringlich nach außen Stärke zu zeigen: den Stolz als Sienesin, den Stolz als Mitglied der Contrade des Turms und den Stolz der Familie Volani. Einzig ihre jüngere Schwester Aurelia bleibt ihr als Verbündete. Egal, wie hart Emilia auch arbeitet, egal, wie sehr sie sich im Studium bemüht, das ihr in Wirklichkeit eine Last ist: ihren über alles geliebten Vater erreicht sie nicht. Luciano Volani wird einzig durch den alljährlichen Palio aus seiner Lethargie gerissen. - Der Lethargie geboren aus dem Hass auf die Familie Graziotti. Der Familie, die Luciano den Sohn nahm. 

Zu dumm, dass Aurelia sich ausgerechnet in den jüngsten Sprössling der Familie Graziotti verguckt hat und Emilia zwischen die Fronten beider Familien gerät. 

Claudia Winter erzählt die Geschichte der beiden Familien jeweils aus Sicht der älteren Kinder. Emilia Volani und Alessio Graziotti erlebe ich als Leserin mit all ihren Gedanken, Wünschen und Vorhaben und kann nur hoffen, dass sich alles irgendwie zum Guten wenden wird. Beide begleite ich durch eine aufregende Zeit mit versuchten Familienzusammenführungen, Vorbereitungen zum Palio - dem (!) Pferderennen in Siena, Freundschaften, die erneuert werden müssen und den üblichen Geschäften. Die Charaktere haben Tiefe. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich in Siena wäre und mir sämtliche Figuren begegnen würden. Die zurückhaltende, freundliche Emilia, die vor Glück überschäumende Aurelia, die warmherzige Familie Graziotti - sie sind alle da. Und ihr Dasein fühlt sich für mich aus der Ferne schon so real, so wirklich an. 

Der lebendige Schreibstil lässt mich hautnah erleben, was den Charakteren in der Geschichte widerfährt. Mehr als einmal muss ich das Buch zur Seite legen, weil ich die Gefühle der Figuren so sehr nachempfinden kann. 

Um den Roman zu mögen und nah bei den Charakteren zu sein, muss man kein Pferdeliebhaber sein. Es geht zwar um den Palio, das Pferderennen in Siena. Der Palio ist aber eher ein Lebensgefühl. Der Herzschlag Sienas, der dafür sorgt, dass die Contraden im Wettbewerb bleiben. 17 Contraden gibt es in Siena. Jedes dieser Stadtviertel hat ein eigenes Wappen, das mit Stolz getragen wird. Was könnte also mehr zählen, als ein Sieg beim Palio

Sterne über Siena zu lesen, hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich habe so unendlich viel gelernt über Siena, über Familienzusammenhalt und Schicksalsschläge. Mit den Charakteren konnte ich bangen, kämpfen und erleben, wie sie an ihren Herausforderungen wachsen. Wie sie lernen und lehren. Wie sie lieben und leiden. 


Fazit

Sterne über Siena ist für alle Pferdeliebhaber, Freiheitsliebende und für all jene, die Leidenschaft für ihre eigenen Vorhaben empfinden. 


Samstag, 28. Januar 2023

Th1rt3en - Thirteen - Steve Cavanagh


Th1rt3en
Thirteen 
Thriller
Goldmann Verlag
Autor: Steve Cavanagh
Erscheinungsjahr: 2018
Deutsche Erstveröffentlichung: Januar 2022
ISBN 978-3-442-49215-2
542 Seiten






Thirteen ist der erste Thriller um Strafverteidiger Eddie Flynn, der in deutscher Übersetzung erschienen ist. Tatsächlich handelt es sich bei Thirteen aber bereits um Band vier der Reihe. 





Trotzdem konnte ich mich ausgezeichnet im Geschehen zurechtfinden und den Protagonisten kennen- und seinen Humor schätzen lernen. Und, oh! Ich habe ihn gefeiert. Den Humor, genauso wie den Protagonisten Eddie Flynn.

Eddie Flynn ist ein ganz normaler Strafverteidiger in New York. Seine Laufbahn als Strafverteidiger fing eher etwas holprig an und ich würde sagen, das Studium, das er vor seinem Jura-Studium auf den Straßen erfahren durfte, hilft ihm bei seiner Arbeit als Strafverteidiger ungemein. 

Neben Eddie Flynn gibt es weitere Charaktere, die ihre Ecken und Kanten haben. Es ist für mich spannend zu verfolgen, wie sie an ihre Grenzen stoßen, wie sie diese Grenzen belasten und ausdehnen. Nicht jeder handelt klug, nicht jeder kommt in seinem Leben weiter. Es gibt große, lebensverändernde Gedanken und ganz kleine, schemenhafte. Sie alle bekommen ihren Raum. 

Steve Cavanagh schreibt bildhaft, mit großer Aufmerksam und mit Blick fürs Detail - ohne sich darin zu verlieren. Das gefällt mir. Ich mag den Blick aufs Wesentliche und die schemenhafte Darstellung des Umfelds. Ich bekomme eine Ahnung, einen verhüllten Blick auf das Geschehen. Bis mich das tatsächliche Geschehen umhaut. 


"Es ist Amerikas spektakulärster Mordfall. Doch der Killer steht nicht  vor Gericht. Er sitzt in der Jury ...." - Klappentext


Mit diesem Auszug aus dem Klappentext hatte mich Steve Cavanagh gleich gefangen und auf den ersten 40 Seiten erfahre ich, wie dem Täter dieser Geniestreich gelingen soll. 


"Der größte Trick, den der Teufel je gebracht hat, war, die Welt glauben zu lassen, es gäbe ihn gar nicht. - Zitat Verbal Kint - aus Christopher McQuarries Drehbuch zu dem Film Die üblichen Verdächtigen


Der Erzählstil der Geschichte ist genauso außergewöhnlich wie die Story an sich. Ich begleite den Strafverteidiger Eddie Flynn und ich begleite den Täter. Ich weiß, wie er heißt. Er ist ein Spieler. Er bescheisst sich selbst. Er ist ein Monster. Er überlässt nichts dem Zufall. Er kokettiert mit sich selbst. Obwohl ich ihm so nahe komme, weiß ich doch nie, wer er nun wirklich ist. Ich kann nur hoffen, dass jene, die ich nach und nach ins Herz schließe, verschont bleiben werden. 

Thirteen zu lesen hat mir unendlich viel Freude bereitet. Mir gefällt der Schreibstil, die Ausdrucksweise, die Art von Humor. Spitzfindigkeiten, die ausgetragen werden, polizeitechnische Ermittlungsarbeit und allerlei Wissenswertes zur Beseitigung von Spuren beim Tathergang und deren Folgen. All das ist spannend und kurzweilig in die Geschichte verwoben und unterstreicht die Dringlichkeit, den Täter zu entlarven und zu fassen. 


Fazit

Th1rt3en ist für alle, die spannende und zugleich überraschende Thriller mögen, die schlüssig und mit der richtigen Prise Humor geschrieben sind. 


Bonus

Reihenfolge der Serie um Eddie Flynn:

0.5 The Cross - bislang nicht in deutscher Übersetzung

Band 1 : Zu wenig Zeit zum Sterben (The Defence) - ET 18. Januar 2023

Band 2 : Gegen alle Regeln (The Plea) - ET 22. März 2023

Band 3 : Liar (The Liar) - ET 17. Mai 2023

Band 4 : Th1rt3en (Th1rt3en) - ET 10. Januar 2022

Band 5 : Fifty-Fifty (Fifty-Fifty) - ET 30. November 2022

Band 6 : The Devils Advocate - bisher nicht in deutscher Übersetzung

Band 7 : The Accomplice - bisher nicht in deutscher Übersetzung 


Montag, 8. März 2021

Die Geschichte einer unerhörten Frau - Hanne Hippe


Die Geschichte einer unerhörten Frau
Roman
Goldmann Verlag
Autorin: Hanne Hippe
Hardcover mit Schutzumschlag
432 Seiten
Erscheinungsdatum: 8. März 2021
ISBN 978-3-442-31563-5 



In dem Roman Die Geschichte einer unerhörten Frau erzählt Hanne Hippe die Geschichte von Gussy. Gussy heißt mit vollem Namen Augusta Fink, aber alle nennen sie Gussy oder Frau Fink. Denn sich mit Fremden oder auch nur Bekannten zu Duzen, ziemte sich nicht in den 1950er Jahren. 


Ebenso war es eine Schande, als Frau geschieden zu sein. Es gehörte sich für eine Frau verheiratet zu sein, den Haushalt mustergültig zu führen und sich um die Kinder zu kümmern. - Dabei war immens viel zu beachten und das konnte - je nach Bundesland - auch mal variieren.




Glücklicherweise führte Gussy eine mustergültige Ehe und war ihrem Hermann die perfekte Ehefrau. - Bis zu dem Tag, an dem Gussy feststellen musste, dass Hermann nicht der Vorzeigeehemann war und stattdessen Geld verprasst hatte, dass ihm weder gehörte, noch dass er es aus edlem Grund genommen hatte. Da war für Gussy Schluss und sie reichte die Scheidung ein. 


Beim Lesen der Geschichte erfahre ich, wie es sich anfühlen musste in den Jahren 1945 bis 1965 in Deutschland. als geschiedene Frau mit zwei kleinen Kindern zu leben. Die Herausforderung eigenes Geld zu verdienen, Verträge zu schließen und nicht alles über den Namen des Mannes abwickeln zu können - was ja üblich und damit sozusagen Gesetz war. Die Barrieren waren unverrückbar da und mussten gemeistert werden. 

"Wir werden uns rächen, Mutti. Das machen sie bei Karl May auch", sagte Eva. - Seite 338

Erniedrigende Worte aus der Nachbarschaft, Bemerkungen hinter vorgehaltener Hand und Missgunst und Neid aus den eigenen Reihen sorgten für eine zusätzliche Belastung und jeder hätte es gern gesehen, wie das Vorhaben zum Scheitern verurteilt war. - Weil es sich einfach nicht gehörte. 

Hanne Hippe trifft bei der Erzählung einen Ton, der nichts in der Zeit beschönigt und mich trotz aller Härte der geschilderten Erlebnisse auch Schmunzeln lässt. 

Gussy habe ich gleich in mein Herz geschlossen. Sie hat ein offenes Herz und einen Sinn für Recht und Ordnung, der nichts mit der nach außen getragenen Ordnung der Menschen im Ort zu tun hat. Richtig und falsch unterscheidet sie zielgerichtet und lebt nach ihrer Überzeugung, auch wenn es der Familie und den Nachbarn nicht in den Kram passt. Das mag ich so an ihr. 

Die weiteren Charaktere sind ebenso ausdrucksstark und haben hohen Wiedererkennungswert durch ihre unverrückbaren Eigenschaften. So verzeihe ich es gern, wenn ich - trotz Zeitangaben in den Überschriften - manchesmal erst überlegen muss, in welcher Zeit der Geschichte wir uns gerade befinden. Die Geschichte von Gussy berichtet nicht nur von ihrer Zeit nach der Trennung von ihrem Mann, sondern auch von der Flucht nach dem Krieg, die sich trotzdem nicht nach Frieden anfühlt. 

Der Verlauf der Schulzeit ihrer Tochter Eva ist manchesmal für mich zeitlich nicht klar einzuordnen und doch sind diese Momente immer spannend und unterhaltsam und so toll erzählt, dass ich mir bald darauf keine Gedanken mehr darüber mache. - An dem Geschehen kann ich es dann ohnehin schnell festmachen. 


Die Geschichte einer unerhörten Frau zeigt deutlich, wie lange es in unserer Gesellschaft dauert, bis sich Neuerungen, wie etwa als Frau geschieden und womöglich alleinerziehend zu sein oder auch ein neues Kleidungsstück oder eine moderne Frisur zu tragen, durchsetzen können. 

Wie ich sehe, kann mit Selbstbewusstsein, Durchsetzungskraft und Charme eine Frau durchaus ihren Mann stehen. - Auch heute noch. 


Am 8. März 2021 um 19:00 Uhr findet die Buchpremiere und Lesung mit Hanne Hippe als Online-Event in musikalischer Begleitung von Gerda Koppelkamm-Martini statt. Einzelheiten dazu erfahrt Ihr hier

Sonntag, 30. September 2018

Das rote Adressbuch - Sofia Lundberg

Das rote Adressbuch
Roman
Random House Gruppe
20. August 2018
Autor: Sofia Lundberg
erschienen als Hardcover im Goldmann Verlag
ISBN 978-3-442-31499-7
352 Seiten
Hörbuch - gekürzte Fassung - Der Hörverlag
ISBN 978-3-8445-3020-9
6 CDs - Laufzeit 7 Stunden 22 Minuten


Das rote Adressbuch mit Jahresweiser 2018 - 2022

Inhalt und Personen

Doris Alm ist die Protagonistin in diesem Roman von Sofia Lundberg. Doris Alm ist in Stockholm geboren und hat dort ihre Kindheit bei ihren Eltern mit ihrer Schwester Agnes zusammen verbracht. Als Doris 10 Jahre alt wurde, bekam sie von ihrem Vater ein Geschenk: ein rotes Adressbuch. In diesem Adressbuch sollte Doris alle Personen verewigen, die ihr etwas bedeuten. Ein erster Eintrag war bereits vorhanden: A. Alm, Eric. Ihr Vater hatte sich bereits eingetragen.


Kurze Zeit später verunglückte Eric Alm und Doris hütete ihr rotes Adressbuch und trug - wie ihr geheißen - alle Namen der ihr bedeutsamen Personen ein.

So begleitete Doris das Adressbuch durch ihr Leben und an die verschiedenen Stationen ihrer Aufenthaltsorte. Es durchlebte ihre Zeit als Model in Paris, den Krieg, die Reise nach New York und England und schließlich zurück nach Schweden, wo ihr als alte Frau immer noch das rote Adressbuch in den Händen liegt.

Doris beginnt anhand der dort notierten Namen ihre Geschichte zu erzählen. Viele der Namen sind bereits durchgestrichen. Dafür steht der Vermerk "tot" hinter dem Namen. Sie schreibt ihre Geschichte für Jenny nieder. - Das einzige Familienmitglied, dass Doris noch hat.

Jenny lebt mir ihrem Mann und ihren Kindern in San Francisco. Über Skype halten Doris und Jenny den Kontakt. So können sie sich gelegentlich sehen und miteinander sprechen. Doch für so etwas, wie ein ganzes Leben zu erzählen fehlt die Nähe und die Zeit. Doch Doris hat Zeit. Und so erzählt sie von all den Menschen, die ihr Herz bewegten. Von Menschen, die ihr Herz haben schwer werden lassen und von Menschen, bei denen ihr Herz vor Freude hüpft.


Meine Meinung


Die Geschichte um Doris ist sehr einfühlsam und klar geschrieben. Doris wird mir im Laufe der Erzählungen immer vertrauter. Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt. Die Kapitel sind mit Überschriften versehen, so dass es für mich als Leser sehr leicht ist, gleich in der richtigen Zeit einzusteigen. Die Geschichte wird teils in der Gegenwart und teils in der Vergangenheit erzählt.
Kapitel, die in der Gegenwart spielen, sind mit fortlaufender Nummerierung versehen. Kapitel, die von der Vergangenheit erzählen, mit dem jeweiligen Namen - passend zum Eintrag im roten Adressbuch. Vorangestellt ist dabei der Buchstabe des Nachnamens, der Nachname gefolgt vom Vornamen und - wenn die Person verstorben ist - wurde der Name durchgestrichen und das Wort "tot" dahinter vermerkt.

Daran sehe ich, dass Doris ihr rotes Adressbuch über all die Jahre stets gepflegt und die Eintragungen erneuert hat.

Mir gefällt die Leichtigkeit, mit der die Geschichte erzählt wird. Doris Leben kann ich ebenso emotional verfolgen. Es sind schwierige Zeiten und doch gibt Doris niemals auf. Oft denke ich während des Lesens an die Worte, die ihre Mutter Doris mit auf den Weg gab.


"Ich wünsche dir von allem genug", flüsterte sie mir ins Ohr. "Genug Sonne, die Licht in deine Tage bringt, genug Regen, damit du die Sonne schätzen kannst, genug Glück, das deine Seele stärkt, genug Schmerz, damit du auch die kleinen Freuden des Lebens genießen kannst, und genug Begegnungen, damit du die Abschiede besser verkraftest." - Seite 46


Zurückblickend auf Doris Leben denke ich, dass jedes Glück, jede Freude immens groß sein kann. Die kleinen Dinge sind doch meistens die, die uns am meisten freuen. Ein Sonnenstrahl, eine Umarmung, ein freundliches Wort und das Glück ist perfekt. - Zumindest für diesen wunderbaren Augenblick.

Während eines Lebens gibt es nicht nur diese zuckersüßen Momente, sondern auch Momente, in denen das Leid schier unabänderlich über uns hereinbricht.

Es fühlte sich an, als wäre ich verkauft worden. Ich hatte keine andere Wahl, als in den Wagen zu steigen und mich in eine ungewisse Zukunft fahren zu lassen. - Seite 66

Heute denke ich, man hat immer eine Wahl. Aber manchmal eben auch nicht.
Und das zeigt ganz klar die Geschichte um Doris.

In dem Buch geht es um Freundschaft, um Liebe, um die Höhen und Tiefen im Leben. Darum, dass man an seinen Erlebnissen zerbrechen oder wachsen kann. Darum, dass man sein Leben selbst führt oder für andere. Darum, dass man sein Leben mit anderen teilt.


Ich konnte mich sehr gut emotional auf diese Reise begeben, da durch die Vertrautheit des Erzählens eine Nähe aufgebaut wurde, die es mir einfach machte, das Erlebte nachzuvollziehen.

Da war ein Band zwischen unseren Herzen, ein schimmernder Regenbogen, dessen Funkeln im Laufe der Jahre kam und ging. - Seite 77

Dabei waren mir die Erlebnisse in der damaligen Zeit genauso präsent, wie die Gegenwart. Es ist diese Natürlichkeit, mit der Sofia Lundberg die Geschichte um Doris erzählt, die mich mitnimmt und durch die Zeilen - durch Doris Leben - trägt. Die Trauer, der Schmerz, das Leid, das Glück, die Freude. - An allem lässt Sofia Lundberg mich mit ihrem Erzählstil ungeschönt teilhaben.

Das rote Adressbuch ist Sofia Lundbergs Debütroman. Die Buchrechte wurden bereits in 28 Länder verkauft. Das rote Adressbuch ist ebenfalls als Hörbuch erschienen.

Zum Hörbuch


Das Hörbuch wird gelesen von Beate Himmelstoß und Susanne Schröder. Beate Himmelstoß liest die Kapitel der Gegenwart und somit der Doris, die ihre Geschichte erzählt. Beate Himmelstoß gelingt es, eine Erfahrenheit in die Stimme zu legen, die mich annehmen lässt, dass diese Stimme selbst dies alles erlebt hat. Susanne Schröder liest die Parts aus der Vergangenheit. Susanne Schröder verleiht Doris eine jugendliche Beschwingtheit, die mich mitnimmt in ein Paris der Dreißigerjahre und mich miterleben lässt, was und wem Doris in dieser Zeit und der folgenden alles begegnet.

Das Hörbuch ist auf 6 CDs verteilt und als gekürzte Lesung mit einer Gesamtlaufzeit von 7 Stunden und 22 Minuten angegeben. Tatsächlich fehlen diese in der Hörbuchfassung weggelassenen Zeilen aber nicht in der Geschichte. Die Handlungen bleiben nachvollziehbar und schlüssig und die Geschichte an sich kommt auch ohne diese weiteren Zeilen aus.

Fazit


Wer sich auf eine emotionale Reise begeben will, ist mit diesem Roman sehr gut beraten.
Die Lebensgeschichte von Doris ist bewegend erzählt. Ich kann Euch das Buch ehrlich ans Herz legen.


Montag, 18. September 2017

Elisabeth Herrmann - Stimme der Toten

Elisabeth Herrmann befindet sich gerade mit ihrem neuen Kriminalroman Stimme der Toten auf Lesereise. Das Buch ist im August 2017 beim Goldmann Verlag erschienen. Die Premierenlesung fand in Grönland anlässlich einer Kreuzfahrt vor einigen Tagen statt - die Vorstellung des Romans auf Deutschem Boden heute, am 18. September 2017, in der Buchhandlung Leuenhagen &  Paris in Hannover.

Elisabeth Herrmann zu Gast bei Leuenhagen & Paris
Foto: Cornelia Fett

Elisabeth Herrmann ist auf einigen Umwegen dazu gekommen, als Autorin zu arbeiten.
Nach Ihrer Ausbildung zur Bauzeichnerin holte sie ihr Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium nach und arbeitete als Rundfunk- und Fernsehjournalistin beim rbb. Vermutlich wäre sie dort immer noch, wie sie mir in einem kurzen Interview verriet: Im Rahmen von Recherchearbeiten für eine Dokumentation über den Beruf des Kindermädchens musste sie leider erfahren, dass niemand diesen Stoff, den sie für überaus interessant und mitteilenswert empfand - senden wollte.
Nachdem Elisabeth Herrmann keine weitere Chance sah, diese Dokumentation zu präsentieren, beschloss sie, ein Buch darüber zu schreiben. Sie versah das vorhandene Material mit kriminalistischen Impulsen - diese Arbeit kostete sie 5 Jahre. Mit Erfolg! Der Roman Das Kindermädchen brachte ihr den Durchbruch als Autorin! Das zeigt einmal mehr, dass man, wenn man mit Herzblut dabei ist und sich selbst treu bleibt, auch Wege beschreiten kann, die vorher gar nicht sichtbar waren.

Tatsächlich hat Elisabeth Herrmann zuvor auch schon zwei weitere Bücher geschrieben. Das erste im Alter von 20 Jahren. - Von Zeit zu Zeit holt sie sich diese Seiten hervor, und staunt, was sie schon damals zu Papier gebracht hat. - Wer weiß, vielleicht kommen wir - ihre Leserschaft - ja auch eines Tages mal in den Genuss, diese Zeilen lesen zu dürfen.

Zurück zu ihrem neuen Buch Stimme der Toten. Dieses handelt von Judith Kepler. Judith Kepler ist von Beruf Tatortreinigerin. Und eine aufmerksame Person noch dazu!

Der Klappentext:

Ein ganz normaler Job für Judith Kepler: In einer großen Bank ist ein Mann in die Tiefe gestürzt, und sie soll den Tatort reinigen. Judith ist Cleaner. Doch mit dem vermeintlichen Selbstmord stimmt etwas nicht. Judith informiert die Kripo und gerät dadurch ins Visier eines mysteriösen Mannes: Bastide Larcan. Er weiß viel über Judiths Vergangenheit, Details, die sogar ihr verborgen geblieben sind. Aber was hat er mit dem Toten in der Bank zu tun? Und warum weiß er genau, wo Judiths schwache Stelle ist? Um mehr zu erfahren, lässt sie sich auf einen lebensgefährlichen Handel mit ihm ein. Und weckt damit die Geister ihrer Kindheit, die nur darauf gewartet haben, zu erwachen und jeden zu vernichten, der ihr Geheimnis enthüllt.

Elisabeth Herrmann fesselte mich während der Lesung nicht nur mit ihrer Stimme und ihrem Vortrag, sondern auch mit dem Inhalt des Krimis und den wohlgesetzten Pointen in der Geschichte. Der Charakter der Judith Kepler ist vielschichtig und interessant und bildhaft dargestellt. Ich bin sehr gespannt, mehr über die Protagonistin zu erfahren.

Elisabeth Herrmann anlässlich ihrer Buchvorstellung Stimme der Toten
Foto: Cornelia Fett

Bei dem Roman Stimme der Toten handelt es sich bereits um das zweite Werk um die Person der Judith Kepler. Der erste Roman erschien 2011 und heißt Zeugin der Toten. Dieses Buch wurde auch bereits mit Anna Loos in der Hauptrolle für das ZDF verfilmt.

Neben weiteren Werken wurde auch Das Kindermädchen - welches ihr erstes herausgegebenes Buch war - verfilmt. In der Hauptrolle ist Jan-Josef Liefers als Joachim Vernau zu sehen.

Von Elisabeth Herrmann werden wir sicher ganz bald wieder Neues lesen! Ich freue mich drauf!

Elisabeth Herrmann und Cornelia Fett

Quellen:
Elisabeth Herrmann - wikipedia