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Dienstag, 10. August 2021

Der tote Journalist - Hanna Paulsen


Der tote Journalist - Die Polizeireporterin
Kriminalroman
Verlag: Edition M - Amazon Publishing
Autorin: Hanna Paulsen
ISBN 978-2-49670-882-0
352 Seiten




Gesa Jansen ist Polizeireporterin. Ihr Traumberuf ist das nicht, und doch arrangiert sie sich gut damit. Als ihr Kollege Uwe Stolter vergiftet aufgefunden wird, ist sie plötzlich erste Polizeireporterin und sie kann sich die Beiträge, die sie schreibt, selbst aussuchen. Zu dumm, dass ihr ausgerechnet Björn Dalmann als Aushilfe zur Seite gestellt wird. Der "kann nämlich nicht wirklich arbeiten" und war bislang für den Kulturbereich zuständig.




Gesa Jansen ist mir mit ihrer zunächst etwas spröden Art auf Anhieb sympathisch. Uns eint derselbe Wunsch aus Kindertagen: Polizistin zu werden. Zu ermitteln, unbequeme Fragen zu stellen, den Finger in die Wunde zu legen - alles Eigenschaften, die ich auch an mir zu schätzen weiß. 

All diese kommen ihr bei ihrer Ermittlungsarbeit als Polizeireporterin zugute. Und genau diese sorgen dafür, dass die Ermittlungen um den Fall Stolter bei der Polizei stetig vorangehen. 

Uwe Stolter war eher der "einsame Wolf", wenn es um seine Kontakte ging. Selbst sein Notizbuch gibt auf Anhieb kaum Informationen preis.


"Natürlich nicht." Uwe machte es ihnen wirklich nicht leicht, den Mord an ihm aufzuklären." - Seite 83


Hanna Paulsen versteht es, mich als Leser mitzunehmen. Dass es sich bei Der tote Journalist um ihr Krimidebüt handelt, fällt zu keiner Zeit auf. Die Geschichte ist eher unaufgeregt erzählt, verfügt über ausreichend Hintergrundinformationen ohne Längen entstehen zu lassen und wartet mit einem aktuellen politischen Thema auf. 

So werde ich immer tiefer in die menschlichen Abgründe der Charaktere hineingezogen. Dabei machen mir ein wenig die ausgewählten Namen zu schaffen: sie grenzen sich wenig voneinander ab. Mir fehlt ein klarer Bezug zu ihrem persönlichen Charakter. Die Charaktere an sich haben dagegen hohen Wiedererkennungswert. 

Am liebsten hätte ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt, so spannend waren die Handlung und die Verwicklungen. Die fein gesponnenen Fäden zogen sich langsam zu und ich war sehr gespannt, ob der ins Visier genommene Täter tatsächlich überführt werden konnte. Ein sehr spannendes und mitreissendes Leseerlebnis. 

Ich freue mich bereits jetzt auf eine Fortsetzung von Die Polizeireporterin und bin bei den nächsten Ermittlungen unbedingt dabei. 


Fazit

Wer real anmutende Kriminalgeschichten aus der Perspektive einer Polizeireporterin mit aktuellen Bezügen mag, trifft mit Der tote Journalist die richtige Wahl. 


Sonntag, 16. Februar 2020

Totenstille - Will Dean


Totenstille
- Denn das wahre Böse ist lautlos
Kriminalroman
Verlag: Bastei Lübbe AG
Autor: Will Dean
426 Seiten
ISBN 978-3-404-17895-7



Totenstille - Will Dean

Inhalt und Personen


Die Geschichte führt den Leser nach Schweden, genaugenommen in die Kleinstadt Gavrik, in der Tuva Moodyson für den "Gavrik Posten" arbeitet. Das Lokalblatt hat eine wöchentliche Auflage von 6.000 Stück und ist damit meilenweit entfernt von der Auflage des Guardian, für den Tuva am liebsten arbeiten würde.
Doch Tuvas Mutter lebt in Karlstadt und ist sterbenskrank. Tuva könnte mit ihrem Gewissen nie vereinbaren, meilenweit entfernt zu leben und ihren Träumen nachzujagen. Andererseits scheut sie sich, ihrer Mutter unter die Augen zu treten, wo doch gerade ihre Chance gekommen zu sein scheint.


Ihre Möglichkeit zum Karrieresprung: ein jüngster Mord. Vermutlich geschehen nahe Mossen im Utgard-Wald.

Es ist schwierig, etwas von den ermittelnden Beamten zu erfahren. Die Leute im Ort meinen, dass es sicher etwas mit den Medusa-Morden zu tun hat. Doch die letzte Leiche wurde 1994 und damit vor 20 Jahren entdeckt. Der Mörder wurde hingegen nie gefasst.

Tuva Moodyson beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Zu verlockend ist diese Chance für ihre Karriere und zu auskunftsscheu sind die Bewohner. Für Tuva bedeutet dies ein immenses Stück Arbeit, denn sie hat nicht nur mit dem Eigenwillen der Bewohner, sondern auch mit ihrer eigenen Gehörlosigkeit und ihrer Angst vor dem Wald zu kämpfen.


Meine Meinung


Will Dean führt den Leser in eine triste Gegend in Schweden, nach Gavrik. 
"Denn das wahre Böse ist lautlos" lautet der Untertitel. 
Anfangs bin ich mir nicht wirklich sicher, ob das wahre Böse tatsächlich lautlos agiert oder aber die Protagonistin, Tuva Moodyson, der Grund für die Lautlosigkeit ist. Denn diese nimmt des Öfteren mal die Hörgeräte raus. Zum Einen, um sie beispielsweise vor Nässe zu schützen, zum Anderen, um auch mal in Ruhe sinnieren zu können.

Will Dean liefert jedenfalls sehr bildhafte Beschreibungen. Im Utgard-Wald in Schweden möchte auch ich nicht spazieren gehen. Zu düster, zu gefährlich, zu einsam. 

"Gavrik ist ein kleines Nest zwischen einem Fluss im Süden, einem Hügelkamm im Osten, dem Utgard-Wald im Westen und einem anderen Wald im Norden. Es braucht keinen Jäger, der Jagd auf Menschen macht. Den braucht es verdammt noch mal nicht." - Seite 109

Auch die Bewohner Mossens sind eher ein sonderbares Völkchen. Ein jeder scheint ein oder zwei Geheimnisse zu haben und jeder scheint jeden zu schützen. Die Beweggründe sind dabei nicht ganz klar. 

Aufzählungen machen den Erzählstil atemberaubend und bei den Ermittlungen werden offensichtliche und dennoch falsche Schlüsse erzeugt, so dass ich als Leser hin- und hergerissen bin zwischen Ermittlungsdrang und dem Gefühl, mich auf der falschen Fährte zu befinden. Außerdem hat Will Dean eine sehr anschauliche Art, seinen Humor darzustellen.

"Na, der Mörder wird wohl kaum mit einem Schild und der Tasche voller Augäpfel im Wald herumlaufen, oder?" - Seite 74

Zudem wiegt der Autor mich mit Tuvas Ritualen in Sicherheit. Sie kümmert sich um ihre Hörgeräte, sie isst gern Weingummi. Ich kenne ihren Tagesablauf, selbst wenn er immer unregelmäßiger wird, so hat sie ihren Lebensrhythmus, der für sie überaus wichtig ist. 

Die Spannung spitzt sich damit beinahe unbemerkt zu und schlussendlich bin ich überrascht, denn der Täter und die Mordgründe sind für mich unerwartet und doch nachvollziehbar.

Will Dean hat einen atemberaubenden Krimi geschaffen. Er hält die Balance zwischen gnadenloser Ermittlungsarbeit und der Bedrohung des Ermittelnden. Ich möchte nicht, das Tuva selbst dem Mörder zum Opfer wird und dennoch spitzt sich die Geschichte dramatisch in genau diese Richtung zu. 

"Mir ist es nach wie vor zu waldig, aber mit Frida an meiner Seite ist es okay. Sie strahlt ein Selbstvertrauen aus, das kein Wildtier je infrage stellen würde." - Seite 163

Fazit


Ein düsterer, bildhaft geschriebener Schwedenkrimi, deren Protagonistin mich auch Wochen später noch berührt.


Sonntag, 14. Januar 2018

Wer ist B. Traven? - Torsten Seifert - Rezension

Titel: Wer ist B. Traven?
Autor: Torsten Seifert
Roman
Tropen Verlag - Klett-Cotta
1. Auflage 2017
269 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-608-50347-0

Inhalt

Leon Borenstein, ein junger Journalist aus L.A., bekommt die Möglichkeit an das Film-Set in Mexiko zu reisen. Dort wird "Der Schatz der Sierra Madre" gedreht. Eine Verfilmung mit Humphrey Bogart - der zu diesem Zeitpunkt seinen ersten Dreh im Ausland hat. Dies ist jedenfalls die Begründung, mit der Leon 1947 nach Mexiko reist. Tatsächlich soll Leon herausfinden, wer hinter dem Pseudonym B. Traven steckt. Dieser B. Traven ist der Autor der Geschichte "Der Schatz der Sierra Madre" und hält sich, was seine Person angeht, allerorts bedeckt. Niemand hat je B. Traven zu Gesicht bekommen. 

"Es scheint ein Fluch über Traven zu liegen. oder um es genau zu sagen: über allen, die nach ihm suchen." - Seite 14
Personen

Die wichtigste Person in dem Buch ist unser Protagonist Leon Borenstein. Gerade als er glaubt, sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu befinden, da wird er auch schon zu einer Reise nach Mexiko abberufen: Leon soll in Erfahrung bringen, wer B. Traven ist.

Von B. Traven hatte Leon zu diesem Zeitpunkt noch nichts gehört. Sein Vorgesetzter Harold Stainer setzt ihn über die wichtigsten Details in Kenntnis - der Rest ist Detektivarbeit.

"Richtig, Borenstein. Aber in jedem guten Journalisten steckt auch ein Detektiv. Während ein guter Detektiv noch lange kein Journalist ist, nicht wahr?" - Seite 12

Meine Meinung

Mein Interesse an dem Buch wurde geweckt, als ich das Cover sah. In seiner Schlichtheit zog es mich in seinen Bann und der Titel als Frage beschäftigte mich: Wer ist B. Traven?
Ich war beruhigt, als ich erfuhr, dass unser Protagonist - genau wie ich - am Anfang dieses Rätsels stand. Auch er hatte zu dem Zeitpunkt, als er sich dieser Frage stellen musste, noch nichts von B. Traven gehört oder gelesen. 
So begab ich mich gemeinsam mit Leon auf die Spuren von B. Traven. 

Die Geschichte ist eine Art Biografie in einen Abenteuerroman verpackt. Viele Gerüchte und Geschichten und sicherlich ein Kern Wahrheit gibt es um die Person hinter dem Pseudonym B. Traven. 

Was und wieviel Leon herausfindet, ist in dem Buch schlüssig dargestellt. Mühelos kann ich der Geschichte folgen, soweit sie sich mit der Thematik selbst befasst. Einzig im mittleren Teil des Buches - der in Wien spielt - wird ein wenig mehr Raum für das Drumherum gelassen. Da drifte auch ich in der Geschichte ab. - Aber so geht es dem Protagonisten auch.

"Nach seiner Rückkehr aus Wien fühlte sich Leon wie ein Schiffbrüchiger, der in einem angeschlagenen Boot auf dem Ozean schaukelt." - Seite 142

Über B. Traven gibt es nicht nur die wildesten Gerüchte und Vermutungen. Wer B. Traven auf die Spur kommt "verabschiedet" sich. Ob Unfallopfer, Auswanderer oder Klinikgast - ein Leben scheint nach der Recherche nicht mehr möglich. 

Und dennoch verfolge ich gespannt diese Geschichte! Der Autor verfügt über einen tollen Schreibstil, der mich abholt und mitnimmt.


Der Autor

Torsten Seifert wurde 1966 in Görlitz geboren. Er studierte in Leipzig und Berlin Betriebswirtschaft und Marketing. Seit 1997 arbeitet er als freier Werbetexter, Konzeptioner und PR-Journalist. 2007 erschien im Self-Publishing sein Roman "Rodeo für Anfänger". Mit dem Manuskript für "Wer ist B. Traven?" gewann er 2017 den Blogbuster-Preis der Literaturblogger. Torsten Seifert lebt und arbeitet in Potsdam-Babelsberg. - Quelle: Klappentext


Fazit

Den Inhalt des Buches halte ich für gut recherchiert. Im Nachgang konnte ich die Beantwortung meiner Fragen um Fiktion oder Wirklichkeit leicht in Erfahrung bringen und finde diese Art der Zusammenfassung der Fakten als Abenteuerroman, ob bestätigt oder nicht, sehr gelungen. Eines hat der Autor mit dem Buch geschafft: auch ich befinde mich nun auf den Spuren von B. Traven.
Dieser Roman ist für alle, die sich ihre Neugier erhalten haben.