Das Antiquariat am alten Friedhof
Die Geheimnisse des Graphischen Viertels - Band 4
Roman
Droemer Knaur
Autor: Kai Meyer
ISBN 978-3-426-29398-0
512 Seiten
erschienen am 3. November 2025
-
Hörbuch
Argon Verlag
gelesen von Johann von Bülow und Luise Helm
ISBN 978-3-8398-2191-6
Laufzeit: 17 Stunden 12 Minuten
erschienen am 19. November 2025
Das Antiquariat am alten Friedhof ist Band 4 der Reihe um Die Geheimnisse des Graphischen Viertels in Leipzig. Dieser Roman spielt - wie seine Vorgänger - in verschiedenen Zeitebenen. Hier wechseln wir vom Leipzig in den 1930er Jahren ins Jahr 1945, in dem Felix als Bibliothekar nach Leipzig zurückkehrt. In den 1930er Jahren hatte er mit seinen Freunden Vadim, Julius und Eddie den Club Casaubon gegründet. Schon damals waren sie begeisterte Literaturliebhaber und waren stets auf der Suche nach seltenen und damit kostbaren okkulten Büchern. Um diese in ihren Besitz zu bekommen, machte der Club Casaubon auch vor Diebstahl nicht Halt.
Einen besonderen Schliff erhielt der Club Casaubon als sich Eddies Schwester Eva einmischte und die jungen Männer zu immer größeren Coups verleitete.
"Wir Deutschen sind Apokalyptiker, die die Geduld mit der Zeit verloren haben. Alles, was wir tun, ist immer nur der Griff nach dem Ende." - Seite 28
Das Antiquariat am alten Friedhof liest sich wie ein spannender, historischer, düsterer Krimi. Es fühlt sich für mich an, als wäre Schwedens düstere Stimmung in eine launige französisch-deutsche Stadt gezogen. Die Luft wabert in der Dunkelheit und die Literatur, die okkulte Stimmung und ein Hauch von Liebe liegen in der laternenbeschienenen Nacht.
Kai Meyer erzählt die Geschichte aus der Historie Leipzigs und mit Abenteuerlust und Liebe zur Literatur. Es ist komplett verrückt, aber er hält den Spannungsbogen - völlig egal, ob es im Roman um die Liebe und die schillernde Figur Eva geht oder ob es um die Jagd nach den okkulten Bänden oder um die zeitweise zerbrechliche Freundschaft der vier jungen Männer. Jeder Strang für sich ist ein echtes und ehrliches Abenteuer und will von mir als Leserin voll ausgekostet werden.
»Kein Weg ist mir zu weit, um meine Mitarbeiter zu drangsalieren. In meinem Alter ist das eine der letzten großen Freuden, die mir den Alltag erträglich machen.« - Seite 31
Die historische Reihe um Die Geheimnisse des Graphischen Viertels will ich am liebsten inhalieren - so, wie die Nachtluft: ein wenig kühl, geheimnisvoll neblig und sacht beschienen vom Mond - und genauso zügig. Ich kann mich beim Lesen immer gar nicht entscheiden, ob ich schnell beim Lesen vorankommen möchte oder lieber die Geschichte in Abschnitten über mehrere Tage genießen möchte. Ich weiß aber auch, dass ich die Geschichte ein zweites Mal lesen kann und neue Entdeckungen mache, weil die Emotionalität eine andere ist, wenn ich die Figuren ein zweites Mal begleite.
Eva gibt mir bis heute Rätsel auf und Felix zu begleiten birgt eine Art Vertrautheit - wahrscheinlich, weil ich bei ihm die Liebe zum Buch am stärksten wahrnehme. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band ums Graphische Viertel und bin sehr dankbar, dass Kai Meyer so eine düster-spannende Erzählart hat, die mich das Leipzig der 1930er Jahre erleben lässt.
Bei Erzählart möchte ich auch die Hörbuch-Stimmen erwähnen. Die Geschichte wurde von Johann von Bülow und Luise Helm eingesprochen. Beide Stimmen haben einen ruhigen, warmen Klang und passen für mich ganz hervorragend zu der historischen Erzählung. Ich lausche beiden Stimmen unendlich gern und dadurch sind die 17 Stunden Hörbuchzeit sehr kurzweilig.
Fazit
Das Antiquariat am alten Friedhof ist für alle, die die Bücherstadt Leipzig im historischen Bezug lieben und in düstere Abenteuergeschichten eintauchen wollen.
Die Geheimnisse des Graphischen Viertels:
Die Bücher, der Junge und die Nacht
Die Bibliothek im Nebel
Das Haus der Bücher und Schatten
Das Antiquariat am alten Friedhof
Das Alphabet der Masken
Die Bücher sind unabhängig voneinander lesbar, da es sich um einzelne, abgeschlossene Erzählungen handelt.
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