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Samstag, 2. Juli 2022

Ein unendlich kurzer Sommer - Kristina Pfister

 

Ein unendlich kurzer Sommer
Roman
Buchvorlage: Fischer Verlag
Argon Hörbuch
Autorin: Kristina Pfister
Sprecherin: Vanida Karun
ISBN 978-3-7324-5845-5
Laufzeit 12 Stunden 9 Minuten - ungekürzt
Medium: Download & Streaming
veröffentlicht am 25. Mai 2022






"Wo soll man eigentlich hin, wenn man vor sich selbst davonläuft?" - Dieser eine Satz aus dem Klappentext hatte mich sofort gepackt. 


Ein unendlich kurzer Sommer erzählt die Geschichte von Lale, die genau das versucht: vor sich selbst davonlaufen. 




Lale steigt in einen Zug und landet auf einem heruntergewirtschafteten Campingplatz. So rau, wie der Campingplatz wirkt, ist auch das Benehmen des Besitzers Gustav. Trotzdem lässt er Lale auf dem Campingplatz übernachten und Lale hilft dem alten Mann bei den längst fälligen Renovierungsarbeiten. 

In diese stillschweigende Übereinkunft platzt wenig später Christophe. Christophe ist auf der Suche nach sich selbst - oder vielmehr nach seinen Wurzeln. Die Suche führt ihn ebenfalls auf den Campingplatz von Gustav. Und auch, wenn sich Lale weiter in Schweigen hüllt, verlässt sich Christophe auf sein Gespür.


Ein unendlich kurzer Sommer ist ein sehr bildhaft und überaus atmosphärisch erzählter Roman. Kristina Pfister lässt ihre Charaktere eine immense Entwicklung durchlaufen. Alle Charaktere haben unverwechselbare Merkmale und aus ihrem Leben erworbene Besonderheiten, die sich in ihrem Umgang miteinander widerspiegeln. Obwohl nicht viel in der Geschichte passiert, herrscht durch die Weiterentwicklung der Charaktere stets Bewegung. Es fühlt sich an, wie ein lauer Sommerwind. Ein Windhauch, der zwischenzeitlich auch mal auffrischt, mich dann aber wieder wohlig umhüllt. 

Vanida Karun liest die Geschichte in genau dem richtigen Tempo und befindet sich stimmlich mit dem Geschehen im Einklang. Das Timbre ihrer Stimme lässt die Charaktere zum Leben erwachen. Es fühlt sich für mich an, als wäre ich selbst mitten im Geschehen.


Fazit

Ein unendlich kurzer Sommer ist für alle, die eine wunderbar atmosphärisch erzählte Geschichte genießen wollen und für alle, die vielleicht auch gerade ein bisschen selbst entfliehen wollen. Vor sich selbst, aus dem Alltag, aus dem eigenen Wirrwarr an Gefühlen.  


Samstag, 12. Februar 2022

Der Herzgräber - Jen Williams

 

Der Herzgräber
Thriller
Fischer Verlage
Autor: Jen Williams
aus dem Englischen übersetzt von Irene Eisenhut
Titel der Originalausgabe bei HarperCollins London:
A dark and secret Place
ISBN Print 978-3-596-00176-7
ISBN eBook 978-3-10-491316-2
Erscheinungstermin: 29. Dezember 2021
384 Seiten 




Der Herzgräber ist das Thrillerdebüt von Jen Williams. Jen Williams arbeitet im Buchhandel, schreibt für Magazine und wurde mehrfach für ihre Bücher im Genre Fantasy ausgezeichnet. 

Der Herzgräber ist spannend und atmosphärisch düster geschrieben. Durch das Setting im dunklen Wald wirkt es zum Teil sehr mystisch und ich kann stellenweise nicht ganz einordnen, wohin mich die Reise schlussendlich führen wird.




Tatsache ist, dass im Verlauf der Geschichte immer mehr Aspekte zusammen kommen und ich höllisch aufpasse, um ja nichts zu verpassen. Die Charaktere sind undurchsichtig und so richtig warm werde ich mit keinem von ihnen. Was bei dieser Geschichte allerdings absolut von Vorteil ist, denn so kann ich munter Verdächtigungen anstellen ohne mich von Sympathien leiten zu lassen. 

Der Schreibstil ist flüssig, in Teilen erklärend. Die Auswahl der Worte lässt das Geschehen sehr real wirken. Ich habe beim Lesen jederzeit das Gefühl, ich könnte aus der Haustür treten und selbst im Wald spazieren gehen. Nur vor den dunklen Gestalten hätte ich zu viel Bammel, als dass ich tatsächlich nachts allein dort umherstreifen würde. 

Der Herzgräber ist spannend bis zur letzten Seite und ich wäre sehr begeistert, wieder einen Thriller von Jen Williams lesen zu können. Ihre Fantasyromane landen jetzt zumindest schon mal auf meiner Wunschliste. 


Fazit

Wer spannende, mystisch anmutende Romane liebt, wird mit Der Herzgräber ein wahres Lesevergnügen erfahren. 


Sonntag, 18. August 2019

Offline Day


Offline Day
als Auftakt zum bald erscheinenden Buch

Offline
- Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.
S. Fischer Verlag
Autor: Arno Strobel
ISBN 978-3-596-70394-4
368 Seiten
erscheint am 25. September 2019




Angelehnt an den bald erscheinenden Roman Offline von Arno Strobel hat sich der S. Fischer Verlag eine ganz besondere Aktion ausgedacht. Am Donnerstag, dem 15. August 2019 dürfen Leser eine exklusive 100-seitige Leseprobe lesen und - passend zum Titel - dabei den ganzen Tag Offline sein.

Auch LovelyBooks hat das Projekt mit aufgenommen. Dort beteiligten sich rund 500 Leser an der Aktion.

Wie ist es mir dabei ergangen, einen Tag lang Offline zu sein?


Ich gebe zu, mittlerweile kann ich mir einen Tag ohne Internet kaum vorstellen. Jedenfalls Tage mit regulärem Ablauf. Bei einem Wellnesstag habe ich damit kein Problem. Da nehme ich weder mein Mobiltelefon noch meinen Laptop mit. Aber sonst?

Selbst, wenn ich lese, gibt es immer wieder Dinge, die ich sofort wissen, sofort recherchieren muss.
Ich muss ergründen können, ob es tatsächlich so ist, wie es beschrieben steht. Ich schaue mir gern den Ort oder Besonderheiten in den genannten Orten an. Und, wenn mir mit einem Mal einfällt, ob ich einen Autoren treffen kann, muss ich gleich nachsehen, ob eine Lesung - vorzugsweise in der Nähe - veranstaltet wird. Und dann will ich natürlich auch gleich Buchen und das Ticket kaufen.

Da ich keinen Wellnesstag einlegen konnte, musste ich also gut vorbereitet sein. Das Mobiltelefon ist Offline gestellt und ich habe mich zu Hause eingeigelt: zunächst mit einem Hörbuch und später, als am Nachmittag die Leseprobe mit der Post kam, mit den ersten 100 Seiten Offline.

Der Vormittag mit dem ausgeschalteten Mobiltelefon und dem Hörbuch verging erstaunlicherweise gut und schnell, da ich darüber gut abgelenkt war und sich das Telefon auch nicht rappeln und rühren konnte.
Als ich dann am Nachmittag allerdings mit der Leseprobe anfing, wurde ich etwas nervös. Dort sollten die Protagonisten ihre Telefone ausschalten, eintüten und abgeben und sich dann auf den Weg in die Berge begeben. Da waren meine Nerven das erste Mal angespannt und ich schaute nervös zum Handy. Mal im Ernst: wer denkt sich so etwas aus? - Arno Strobel in Offline


Wie ist es mir mit der Leseprobe Offline im Offline-Modus ergangen?


Wie bereits erwähnt, wurde ich schon nervös, als die Charaktere ihre Mobiltelefone abgeben mussten. Ständig warf ich einen Blick aufs Handy, doch das blieb still. Ich widerstand mit Mühe dem Impuls das Display zu aktivieren. - Der nächste Schritt wäre unweigerlich Online zu gehen, um meine Neugier zu befriedigen. Doch das wollte ich mir selbst nicht antun: war ich doch schon so weit gekommen. Schließlich war es bereits früher Abend.

Als nächstes dachte ich, wie gefährlich und fahrlässig so eine Wanderung in die Berge zu einem unbewohnten Hotel doch ohne Mobiltelefone ist. Wieder warf ich einen Blick aufs Handy.

Im Verlauf der Geschichte war ich immer wieder froh, nicht in den Bergen unterwegs zu sein, sondern sicher zu Hause auf dem Sofa. Sonst hätte ich sicher dem Impuls nicht widerstehen können, das Telefon einzuschalten und Online zu gehen.

Die Geschichte ist superspannend geschrieben. Obwohl ich darauf vorbereitet bin, dass etwas in naher Zukunft geschieht, bin ich total gebannt und lese mit steigendem Entsetzen, was sich mir offenbart. Ich bin sehr gespannt auf Offline und freue mich auf den Erscheinungstermin am 25. September 2019.








Freitag, 30. März 2018

Arno Strobel - Kalte Angst


Arno Strobel befindet sich zur Zeit auf Lesereise. Der Autor stellte am 23. Januar 2018 seinen neuen Thriller Kalte Angst in Hannover in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris vor. Bei dem Buch Kalte Angst handelt es sich um den zweiten Teil einer auf drei Bücher ausgelegten Mini-Serie. Die Idee für eine Serie kam vom Fischer Verlag. Arno Strobel schreibt sonst einzeln abgeschlossene Psychothriller.


Arno Strobel am 23. Januar 2018 bei Leuenhagen & Paris in Hannover


Für die Trilogie - die den Begleittitel Im Kopf des Mörders trägt - hat Arno Strobel sich Gedanken über den Ermittler gemacht. Viele Ermittler haben ähnliche Biografien - wir Leser wissen das! Sie sind über 50 Jahre alt, geschieden, alkoholabhängig, haben vermutlich Drogenprobleme, sind depressiv und permanent schlecht gelaunt.

Der Ermittler in dieser Serie ist Anfang 30, kommt frisch von der Hochschule, ist vollgestopft mit Theorie und spezialisiert auf Fall-Analyse. Er heißt Max Bischoff und trifft in Düsseldorf auf seinen neuen Partner. Der ist über 50 und heißt Horst Böhmer.

Doch was bedeutet das? Im Kopf des Mörders?

In Kalte Angst dringt der Mörder in das Haus ein und tötet alle. Alle bis auf einen. Und für diesen hat er nur diese eine Botschaft: "Sag es den anderen!"

Der Leiter der forensischen Psychiatrie informiert Max Bischoff: ein Patient sagt alle Morde voraus - und zwar präzise. Doch dafür möchte dieser seine Freiheit. Es handelt sich um Siegfried Fissmann, selbst ein verurteilter Mörder. 

Wir fragen uns, wie kommt ein Autor nur auf solche Ideen? - Und damit diese Frage weder zu freundlich "Sie sind doch eigentlich ganz nett ..." noch zu direkt "Sagen Sie mal, sind Sie krank?" vom Publikum gestellt werden kann, nimmt er sie ganz einfach vorweg und sagt:


"Als Autor ist es von Vorteil, wenn man ein paar verhaltensauffällige Personen im Freundeskreis hat."

Diese Aussage sorgt nicht nur für Gelächter sondern auch für weitere Nachfragen, die Arno Strobel dann eher zögerlich und allgemein gehalten beantwortet.  



Arno Strobel selbst ist 55 Jahre alt und hat zunächst sein Geld als Informatiker bei einer Bank in Luxemburg verdient. Das Schreiben war für ihn nie ein Thema, doch im Alter von 40 Jahren kam er auf die Idee Kurzgeschichten zu verfassen. Diese kamen so gut an, dass er nach cirka 70-80 Kurzgeschichten der Meinung war, dass es nun Zeit für ein Buch sei. An diesem hat er dann ungefähr drei Jahre gearbeitet.

Vor knapp vier Jahren hat er seinen Job bei der Bank aufgegeben und ist seitdem hauptberuflich Autor. 

Wenn man Arno Strobel trifft, macht man sich besser auf einiges gefasst: Er lässt sich durch Alltagssituationen für seine Geschichten inspirieren. Er hat keine Scheu selbst Guerilla Marketing anzuwenden: Wer Arno Strobel um ein Autogramm bittet, der bekommt auch eines. - Auch wenn er lediglich damit aufgefordert worden war, seine Rechnung zu zahlen. 

Arno Strobel beim Signieren bei Leuenhagen & Paris

Wenn Arno Strobel gefragt wird, wann ihm die Ideen zu seinen Büchern kommen, glaubt man ihm daher gerne, wenn er antwortet:

"Es ist ja so, das sind ja alles Erlebnisberichte!"

Und manches Mal benötigt man eigene Erfahrungen und Erlebnisse, um Situationen gut beschreiben zu können. Daher hatte er für das Buch Der Sarg überlegt,

"Wie ist das so lebendig begraben zu sein? Wie fühlt sich das an?"

Als Autor muss man das möglichst echt beschreiben.

Die erste Möglichkeit: Im Bestattungsinstitut Probeliegen - scheidet aus. Pietätlos!

Die zweite Möglichkeit: Das Büro abdunkeln, mit geöffneten Augen auf dem Boden liegen, Arme und Beine eng zusammenliegend, unbewegt.

Doch, was ist der Beweggrund so etwas zu schreiben?

"Es ist das Spiel mit der Angst", sagt Arno Strobel. Über die eigene Angst zu schreiben war naheliegend, und so kam es zu dem Buch Der Sarg.

Wer  sich nun dennoch nicht scheut, Arno Strobel live zu erleben, sollte die Gelegenheit nutzen und sich noch um ein Ticket für eine seiner Lesungen bemühen.
Am Mittwoch, dem 16. Mai 2018 wird er in Schweich aus seinem Buch Kalte Angst vorlesen und am Samstag, dem 19. Mai 2018 in Wiltingen. 

Arno Strobel und Cornelia Fett bei Leuenhagen & Paris



Quellen:
Termine Arno Strobel





Sonntag, 19. März 2017

Kai Meyer - Die Krone der Sterne

Noch vor der Leipziger Buchmesse ist Kai Meyer in Hannovers Buchhandlung Hugendubel zu Gast. Dort stellt er seinen neuen Roman Die Krone der Sterne vor.

Kai Meyer bei Hugendubel in Hannover
Ⓒ Cornelia Fett
Bereits seit Jugendtagen ist er weltraumbegeistert und wollte "schon immer mal" eine Weltraum-Geschichte schreiben. Nur ein Science Fiction Roman sollte es nicht werden, sondern eher eine Geschichte im Rahmen von Space Fantasy.

Der Fischer Verlag hält dafür seit Neuestem den Verlag TOR bereit. Dort erscheinen Werke der phantastischen Literatur in den Genres Fantasy und Science Fiction.

Das Buch Die Krone der Sterne ist Kai Meyers Herzensprojekt und quasi ein Roadmovie durchs Weltall.

Wenn Kai Meyer schreibt, sind für ihn die Figuren das Beste an dem Gesamtwerk. Er kennt sie in- und auswendig.

Mit Die Krone der Sterne - seinem Erstlingswerk in diesem Bereich - wollte er erst einmal schauen, ob solch eine Space-Opera etwas ist, was auch ein Publikum begeistert. Und so hatte er sich zunächst auf einen Roman festgelegt, mit der Option, auch auf eine Trilogie aufzuarbeiten.

Was soll ich sagen? Teil 2 und 3 sind bereits geplant. Wir können uns also auf eine Fortsetzung freuen!

Jedes dieser Bücher wird allerdings eine in sich geschlossene Geschichte enthalten.

Die Seiten der Welt liegen Kai Meyer ebenso am Herzen. Ist es doch eine Geschichte, die sich um Bücher dreht. Und es ist schwer für einen Autoren Bücher nicht zu mögen.

Im Moment arbeitet Kai Meyer an Teil 3 - dem letzten Teil der Trilogie. Was er bereits heute verrät: Es wird eine Vorgeschichte geben. An dieser arbeitet er auch bereits. Es wird ein Zweiteiler: im Oktober diesen Jahres wird Teil 1 der Vorgeschichte zu Die Seiten der Welt erscheinen und ein Jahr darauf der zweite Teil.

Für einige seiner Werke gab es bereits Anfragen für Filmrechte. Leider scheiterte es oft bereits an den Kosten für die Umsetzung der Projekte.

Einzig Das Gelübde wurde bisher verfilmt. Und das, so wie Kai Meyer meint, in einer sehr guten Umsetzung.

Für die Arkadien-Reihe läuft im Moment bei einer amerikanischen Filmproduktion die Vorarbeit. Ob es mit der Umsetzung letztendlich klappt, ist allerdings noch nicht raus.

Mit Die Alchimistin hatte Kai Meyer 1998 seinen Durchbruch: sein erster Roman, der groß rausgekommen ist. Es folgten Teil 2 Die Unsterbliche und Teil 3 Die Gebannte. Es handelt sich hier um eine Familiengeschichte. Auch diese sollte verfilmt werden. Leider scheiterte auch dieses Projekt an den Kosten.

Dafür wurde Die Alchimistin sehr aufwändig als Hörspiel verarbeitet. Ein Hörbuch gibt es ebenfalls.

Das Besondere an Hörspielen - vor allen Dingen bei WDR-Produktionen - ist, dass das Einspielen fast einem Theaterstück gleicht. Die Wellenläufer beispielsweise: da tobten die Sprecher mit gezückten Säbeln vor den sechs Mikrofonen, um den entsprechenden Sound für die 5.1 Produktion zu erzeugen.

Es gibt tatsächlich Werke von Kai Meyer, die nicht als Buch erschienen sind. Dies sind die Vorgeschichten zu Die Wellenläufer und zu Merle. Für diese beiden Geschichten hat Kai Meyer ausschließlich die Hörspielbücher geschrieben.

Wenn Kai Meyer ein Buch schreibt, so beginnt er mit einem 40-50 seitigem Exposé. In diesem exakten Konzept des Buches ist bereits alles enthalten, was die Geschichte ausmacht. Erst dann folgt die Umsetzung als Buch. Während er das alles erarbeitet, macht er sich bereits Notizen für den zweiten und dritten Band, wenn es sich um eine Trilogie handelt. Eine exakte Planung von Teil 1 bis hin zu Teil 3 gibt es allerdings nicht.

Kai Meyer ist durch und durch Schriftsteller. Die Ideen fliegen ihm nur so zu, er kann gar nicht anders, als sich Notizen zu machen, zu recherchieren und sich wieder Notizen zu machen. Er entscheidet auch nicht groß beim Schreiben ob es nun ein Jugendbuch, ein Kinderbuch oder ein Erwachsenenbuch werden wird. Er möchte eine spannende, unterhaltsame Geschichte erzählen. Punkt. Kai Meyer hat auch nicht entschieden, dass Sturmkönige bei der Jugendliteratur seinen Aufbau finden wird. Und trotzdem gelang es genau dorthin. Und dass trotz einiger Szenen im Buch, die nicht unbedingt als Jugendliteratur durchgehen... Auch, wenn das tatsächliche Leben oftmals das Gegenteil beweist.

Kai Meyer recherchiert auch sehr viel für seine Bücher. Für Arkadien hat er zahlreiche Interviews über Vergewaltigung und Abtreibung gesehen sowie etliches über die Mafia in Sizilien gelesen. Das Thema Tod ist in Arkadien ständig präsent.

Fragt man Kai Meyer, welche seiner Bücher ihm am liebsten sind, so antwortet er spontan: Asche und Phönix, Phantasmen und Arkadien.

Aber auch Die Seiten der Welt seien ihm sehr lieb, eben weil es um Bücher geht.

Die Wellenläufer Trilogie ist auf jeden Fall bei den Fans sehr beliebt.
- Wer weiß, vielleicht gibt es ja mal eine Fortsetzung ....

Angst jedenfalls vor Ideenlosigkeit hat der Autor nicht. Er hat noch zahlreiche Notizbücher voller Ideen, in die er seit Jahren schon nicht mehr hineingesehen hat.
Viele Ideen kommen Kai Meyer allein durch Recherche-Arbeiten.

Und auch, wenn der Autor nicht gerade am Recherchieren oder Schreiben neuer Werke ist, gibt es immer noch andere Dinge zu erledigen. Wie beispielsweise die Überarbeitung seiner Werke Die Alchimistin Teil 1 und 2. Diese hatte er einer sprachlichen Überarbeitung unterzogen. Schließlich entstand Teil 3 erst 15 Jahre später. Dass ihn die Überarbeitung schließlich zwei Monate kosten sollte, hatte er nicht bedacht. Er hatte angenommen, dass er damit schneller vorankommen würde.

Wenn Kai Meyer an einem Buch arbeitet, so legt er sehr viel Wert darauf, täglich 10 Manuskriptseiten zu schreiben und das an fünf Tagen die Woche, nämlich von Montag bis Freitag.

Kai Meyer beim Signieren
Ⓒ Cornelia Fett
Er arbeitet auch stets zu Hause, denn nur dort kann er wirklich Schreiben, und immer nur an einem Buch und nicht parallel an einem zweiten.

Eine Ausnahme gibt es aber dennoch: Während der Arbeiten an dem Buch Phantasmen fiel ihm eine Szene aus Die Seiten der Welt ein. Eben diese, in der die Angst des Bruders vor Clowns geschildert wird. Aber das ist wirklich eine Ausnahme!

Für das Buch Die Krone der Sterne hat Kai Meyer sich vom Verlag gewünscht, dass eingangs ein illustrierter Vorspann eingearbeitet wird. Zeichnungen innerhalb eines Buches reissen den Leser nur aus seiner Geschichte. Aber eingangs entführen sie ihn bereits in das Buch.

Solch einen illustrierten Vorspann kennt der Autor von der Hobbit Presse aus Der Herr der Ringe. Diese Illustrationen wurden seinerzeit von Heinz Edelmann erstellt. Dieser hatte vor Jahren bereits das Design zu dem Musikvideo Yellow Submarine erarbeitet.

Als Illustratoren hat sich Kai Meyer für Die Krone der Sterne Jens Maria Weber ausgeguckt. Dieser hatte bereits die Illustration für die Online-Aktion von Die Seiten der Welt übernommen.

Kai Meyer nahm sich während dieser Lesung viel Zeit für uns Leser und beantwortete gerne alle Fragen. Gelesen hat er aus Die Krone der Sterne zwei Kapitel und stellte damit zwei Figuren aus seinem neuesten Roman vor.

Anschließend erfüllte er noch Signaturwünsche und stand auch im persönlichen Gespräch noch Rede und Antwort.

Kai Meyer und Cornelia Fett
Ⓒ Cornelia Fett
Vielen Dank für diesen tollen Abend!

Montag, 9. Januar 2017

Winterzauberküsse - Sue Moorcroft - Rezension

Winterzauberküsse
von Sue Moorcroft
erschienen im Fischer Verlag
ISBN 978-3-596-29635-4

© Cornelia Fett


Klappentext
Hutmacherin Ava trifft Sam auf einer hippen Londoner Vorweihnachtsparty. Er möchte, dass sie einen Hut als Geschenk für seine schwerkranke Mutter Wendy fertigt. Wendy ist entzückt, denn sie glaubt, Sam sei mit Ava zusammen. Wie kann Sam ihr diese Freude zerstören? Also bittet er Ava, so zu tun, als wären sie ein Paar - nur für die Vorweihnachtszeit ...

Cover
Das Cover hat es mir gleich angetan! Hellblau-weiß mit Glitzer und roter Schrift. Ein Herzchen und eine weibliche Titelfigur im roten Mantel mit roter Mütze, die pure Lebensfreude ausstrahlt. Ich muss sagen: ich bin verliebt! Der Schnee und die Eiskristalle sind auf dem Cover zusätzlich zum Glitzer plastisch hervorgehoben und machen Lust darauf, den Inhalt des Buches zu lesen.

Meine Meinung
Nachdem der Titel und das Buchcover mich förmlich in ihren Bann gezogen haben, hat mich auch der Eingangssatz ganz und gar verzaubert:

"Und an Weihnachten haben Küsse ihren ganz besonderen Zauber ..." 
Der Innenklappentext allerdings, nimmt mir schon ein wenig von dem anfänglichen Zauber in seiner Formulierung:

"... Als Wendy bei Ava zur Hutberatung kommt, ..."

Mhmm! Wie kann man nur so etwas schreiben, denke ich.

Glücklicherweise ist der Schreibstil im gesamten Buch ganz anders. Die Autorin schreibt und beschreibt so beschwingt, dass man förmlich durch die Seiten fliegt, und trotzdem alles versteht, was beschrieben ist. Einzig die verschiedenen Hutarten, die Ava herstellt, beflügeln meine Phantasie und regen mich an, etwas darüber nachzudenken, was man alles wissen muss, um Hüte herzustellen und wie sie dann aussehen könnten.

Die Charaktere sind wundervoll! Ava ist eine umwerfende Frau, kurvenreich, facettenreich und nicht auf den Kopf gefallen und doch macht sie auch Fehler, was sie menschlich und vor allen Dingen liebenswert macht. Genauso ist es mit dem männlichen Hauptdarsteller Sam: er ist einfühlsam, hat einen tollen Job, wird begehrt (ausgerechnet von der besten Freundin unserer lieben Ava) und hat - verdammt noch mal! - auch seinen Stolz.

Ein langsames Kennenlernen der beiden - angefangen auf der Weihnachtsfeier von Avas Freunden - gibt das gewisse Etwas, das man bei den ersten Schritten einer beginnenden Liebesgeschichte erwarten darf.

Fazit
So verzaubert, wie ich vom Cover war, die letzten Seiten habe ich so mit Sam und Ava gelitten, es hat mich fast zerrissen.
Immer habe ich gehofft, dass der eine nicht zu stolz ist und die andere sich bitteschön endlich mal in die Karten gucken lassen mag.
Winterzauberküsse ist ein herrlicher Roman, der aufzeigt, wie schlimm es im Leben zugehen kann, es aber immer noch Liebe, Vertrauen und wahre Freundschaft gibt.
Für diesen Roman: fünf Sterne plus!